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II. 2.
Fäden in die Kämme) der Kette, das Spulen des Einschuss-garnes und vor Allem das Weben selbst geschieht im Hausedes Webers. Nur ein geringer Theil wird auf mechanischenStühlen gewebt, die Organisation ist dann die allgemein fabrik-massige. Von der gesummten Weberei soll gleich ausführlichergehandelt werden.
Viele und namentlich die schweren Seidenzeuge sind wiesie vom Webstuhl kommen, fertige Waare. Sie gelangen aufden „Galgen“, auf welchem der Fabrikant oder in grösserenHäusern der Kommis sie besichtigt und sein „Passirt“ spricht.Hierauf werden sie von Frauen und alten Männern von kleinenFehlern gereinigt, dann zusammengelegt und glatt gepresst;die natürliche Schönheit der Seide und die Vollkommenheitdes Gewebes macht ihre Zierde aus. Bei andern Seidenzeugenund beim Sammet findet eine mehr oder weniger complicirteAppretur statt. Schon 1845 gab es in Crefeld neben 7 Appre-turen im Besitz von Fabrikanten, welche sich auf die Ilaupt-artikel, wie Sammete und Atlas beschränkten, 10 Lohnanstalten;gegenwärtig hat sich die Zahl der letzteren auf 30 vermehrt.Die fertigen Stoffe und Sammete werden von Frauen zusammen-gelegt, die Bänder theilweise in Strängen lose aufgehängt, da-mit sie nicht verdrücken; wenn sie versendet werden sollen,werden sie von Mädchen auf Pappekartons aufgerollt. —
Die Organisation der Industrie ist also im Wesentlicheneine solche: das Färben, Winden und Weben findet ausserhalb,das Vorbereiten der Ivette und das Verpacken der Waareninnerhalb der Fabrik statt; für die Appretur haben die grösserenFirmen eigne Anstalten, während die kleineren dieselbe gegenLohn ausführen lassen. Wie überwiegend die Verrichtungenausserhalb sind, erhellt aus einer Statistik der Löhne, welchedie Crefeld er Kaufleute im Jahre 1877 gezahlt haben; sie be-trugen für das Färben 3.3, das Winden 1.5, das Weben 12.3,das Appretiren 1.2 und für das Scheren nur 0.5 Mill. Mark.Ein Anfänger ist heute von allen Kapitalanlagen entlastet; ineinem Comptoir mit ein paar Stuben für das Kettenscherenund Verpacken kann er sich bereits etaldiren und braucht nurein geringfügiges Betriebscapital zur Zahlung der Arbeitslöhne,da die Rohseide von ihm auf neun Monate Ziel gekauft underst nach Eingang seines Guthabens bezahlt wird. So wird esdenn erklärlich, (lass bei einem jeden Ansteigen der Konjunktur,wenn die Bestellungen regnen, neue Firmen wie die Pilze her-vorwuchern , um zum Theil dann bald, aufs Trockene gesetzt,wieder zu verschwinden. Beispiele liefert ein jedes Jahrzehnt.Die 13 Fabrikanten im Jahre 1828 vermehrten sich durch denAufschwung in den 1830er Jahren nur auf 28, seitdem aberhob sich ihre Zahl in Folge jeder Konjunktur: 1841—45 auf100, 1849—57 auf 170 und 1868—72 auf 200—300.