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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
Entstehung
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II. 2.

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wurden; die Käufer des Materials galten als Diebshehler. Da-mit wurde der Diebstahl keineswegs unterdrückt; besonders inschlechten Jahren war der Anreiz zu Entwendungen des kost-baren Materials so mächtig, dass dieselben grosse Dimensionenannahmen. So wurde im August 1805 eine weitverzweigteGesellschaft von Seidendieben entdeckt, welche an Juden ver-kaufte; 37 wurden gefangen, das schreckte für einige Zeit ab.In den 1850er Jahren schätzte man den Werth der jährlichgestohlenen Seide auf etwa eine halbe Million Mark; die kri-tische Lage der Industrie steigerte noch das Uebel. Da bil-dete sich am 16; Juni 1861, im Jahre der höchsten Seiden-preise und der grössten Nothlage der Weber, der Verein gegenSeidendiebstahl in Crefeld, dem ein ähnlicher in Elberfeldfolgte. Er setzte Prämien von 150 Mark und darüber aus für. erfolgreiche Denunciationen von Entwendungen von Seide,I Garnen, Seidenwaaren und Webergeräthen. Zugleich verein-barten sännntliche Seidenfabrikanten, verdorbene Stücke denWebern niemals, den Färbern möglichst selten zurückzugeben;i diese verpflichteten sich, nur durch die vom Verein bestelltenVerkäufer die verdorbenen Waaren veräussern zu lassen. AlleHändler in Rohseide, Garnen und Seidenwaaren, Fabrikantenund Färber verpflichteten sich dem Verein sich anzuschliessen; am5. März 1877 gehörten demselben 340 Mitglieder an; die we-nigen Fabrikanten, welche ausserhalb stehen, werden vonder öffentlichen Meinung als Hehler bezeichnet; ob mit Rechtoder Unrecht, lasse ich dahin gestellt.

Die öffentliche Moral hat sich in dieser Hinsicht bedeutendgebessert. Früher sollen sich Männer sogar öffentlich desSeidendiebstahls gerühmt haben, bis der energische Polizei-commissar sie einsteckte. Das war damals eine That; heutegilt es als ehrenrührig, ein Seidendieb genannt zu werden.Freilich ist die Gelegenheit zum Stehlen noch nicht völlig be-seitigt, beim Aus- und Verpacken der Rohseide, beim Aus-geben zum Winden und Weben verschwindet so manchesPfund, indess ist es diesem Rechtsschutzverein doch gelungen,dem Seidendiebstahl als einer öffentlichen Calamität ein Endezu bereiten. Sehr störend erweist es sich in der Neuzeit, dassder Elberfelder Verein sich aufgelöst hat.

Die gefärbten und auf Bobinen gewundenen Garne laufenalle wieder im Comptoir zusammen, ein kleiner Theil derselbenwird daselbst von Frauen zu Ketten vorgerichtet, indem durchdas sogen. Scheren die nöthige Anzahl von Fäden in der er-forderlichen und gleichen Länge abgemessen und zweckmässigzusammengelegt wird. Die geschorene Kette sarnrnt dem aufBobinen gewundenen Einschuss erhält nun der Weber mitden dazu gehörigen Kämmen und Rietlien nach Hause, beigemusterten Stoffen ausserdem noch die Jacquardmaschine unddie Patronen. Das Aufbäumen und Passiren (Einbringen der