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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
Entstehung
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II. 2.

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kennen. Im vorigen Jahrhundert fand diese Verrichtung inder Fabrik selbst statt, allmählich wurden aber die Gebäudezu klein, neu entstehende Firmen hatten gar nicht die Räum-lichkeiten hiezu, kurz die Winderei wurde in die Wohnungender Arbeiter verlegt. Indess blieb der Standort dieses wiealler andern Hülfsgewerbe die Stadt Crefekl und deren nähereUmgebung, weil die Fabrikanten nur bei bequemer Benutzungderselben sich den wechselnden Bestellungen mit Leichtigkeitanpassen können. Das Winden geschieht entweder auf einerTrittmaschine oder auf einer grösseren durch eine Handkurbelin Bewegung gesetzten oder auf einer sog. Schweizermaschine;letztere ist für Cliappe und Baumwolle eingerichtet und esläuft liier das Garn vom Strange direkt auf die Bobine, währendbei der sorgfältigeren Seidenwinderei sich noch eine Rolle alsMittelglied dazwischen schiebt. Die erstere Maschine kostet2050, die andern 90, 150, 200300 Thal er. Die Haupt-arbeit bildet in beiden Fällen das Ordnen der zerrissenen undverwirrten Fäden; dazu bedarf es flinker Finger und nament-lich die Frauen sind es, welche sich dazu eignen. An derersteren Maschine arbeiten sie dann allein oder ein krankerMann, welcher das Weben nicht mehr verträgt. An der zweitenwird die Kurbel von einem Kinde oder noch häufiger von einemGreise, Blinden, Krüppel langsam gedreht und gestattet somitdie Ausnutzung auch der sonst am schwersten zu beschäftigen-den Kraft; auch habe ich ein Mädchen gesehen, welches mitder einen Hand die Kurbel drehte, mit der andern an derLeine einer sehr entfernt stehenden Wiege zog, deren Insassendie Mutter, welche durch das Spulen vollständig in Anspruchgenommen war, in den Schlaf sang. Zu beiden Seiten derWindemaschinen sind Frauen paarweise beschäftigt, meist dieMutter mit ihren Töchtern; Kinder sind für diese Arbeit nichtaufmerksam genug, werden aber auch vielfach nach der Schulez. B. von 48 Uhr verwendet, wofür sie in Viersen 1 Markwöchentlich erhalten. Die eigentliche Lehrzeit beginnt meistmit dem 14. Jahre, obwohl auch Fälle regelmässiger Beschäf-tigung mit 1012 Jahren Vorkommen; es werden schriftlicheKontrakte geschlossen auf zwei Jahre, im ersten erhalten dieMädchen in Crefeld 2 3, im zweiten 6 Mark wöchentlich, in

Viersen 1, bezw. 1.601.70 Mark täglich; dagegen wohnenund speisen sie, wie allgemein die Lehrlinge auf dem linkenRheinufer, bei ihren FJtern. Die Arbeit findet in aufrechterStellung statt unter massiger körperlicher Bewegung und An-strengung; in grösseren Windereien mit ein paar Maschinengenügen die sonst geräumigen Stuben nicht dem vermehrtenArbeitspersonal.

In flauen Geschäftszeiten beträgt die Arbeitszeit meist1213 Stunden, etwa von 612 und 18 Uhr; dann arbeitetan einer grossen Maschine nur eine Person auf jeder Seite, bei