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II. 2.
hörte auf und sie wurden unabhängiger. Die Kaufleute ihrer-seits wurden gezwungen, sich zu specialisiren, in Folge dessentrat eine grössere Vielseitigkeit der Industrie ein, aber auchgleich damals schon eine Verschlechterung der Waaren.
Trotz der Aufhebung des Monopols hielt die Zunahme derSeidenfabriken sich in sehr engen Grenzen. Der Grund hier-von lag in dem für Anfänger zu grossen Capitalerfordernisshei einer Organisation, wo der Fabrikant zugleich als Seiden-händler ein grosses Lager an Rohseide, wie als Seidenwaaren-Kaufmann ein Lager fertiger Stoffe halten musste, wo er seineigner Färber und Appreteur war, wo er alle Webstühle an-schaffen, und was noch kostspieliger war, sie zu einem gleich-massigen Lohne in Betrieb erhalten musste. Während derersten Hälfte unseres Jahrhunderts entstanden für alle jenegewerblichen Thätigkeiten selbständige Unternehmungen, welchedie Aufträge gegen Lohn ausführten, und die Arbeiter kauftendie Webstühle an; dadurch wurden die Anforderungen an dasKapital des Kaufmanns sehr bedeutend ermässigt und es eta-blirten sich von nun an viele kleine Leute mit nur geringemBetriebskapital. —
Die Fabrikanten waren früher sämmtlich auch Rohseiden-händler. Bei dem hohen Antheil, welchen die Seide am Wcrthedes Fabrikates hat und bei den mannigfaltigen Sorten, welchefür die verschiedenen Stoffe stets vorräthig sein müssen, warensie gezwungen, einen grossen Theil ihres Betriebskapitals inRohstoffen festzulegen. Dies war um so gefährlicher, nament-lich für Anfänger, als wohl kein anderes Gespinnst so plötz-liche Preisschwankungen erleidet als die Rohseide; beispiels-weise betrug der Kokonspreis in Bergamo 1819: 4.27, 1820:2.15 Lire. Das im ersteren Jahre angekaufte Lager war imfolgenden also um die Hälfte entwerthet und der Fabrikantfast konkurrenzunfähig gegenüber seinem Nebenbuhler, dereinige [Monate gewartet hatte. Je vielseitiger der Bedarf anRohseide und je grösser die Zahl der kapitalarmen Firmenwurde, desto nothwendiger erwiesen sich die Zwischenhändler,welche die grossen Auslagen und das Risico des Lagers trugen.Die Anzahl der Rohseide-, Chappe- und Twisthändler war 1877schon auf 52 angewachsen. Sie beziehen die Rohseide in nor-malen Jahren zu 80 Procent aus Italien, den Rest aus Asien;der Antheil des letzteren Welttheils betrug 1858: 3 Procent,während der grossen Raupenkrankheit 1859/60 jedoch fast 50Procent. Die deutsche Seidenzucht liefert trotz der fortgesetztgezahlten Ilaspelprämien einen kaum nennenswerthen Beitrag;die klimatischen Verhältnisse lassen eine erfolgreiche Zuchtvon Maulbeerbaum und Raupe nicht zu. Ebensowenig ist esgelungen, sich in der Zwirnerei selbständig hinzustellen; diealten Betriebe, wie sie im XVIII. Jahrhundert existirten, sindschon längst eingestellt, neuere Versuche aber in Elberfeld
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