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Stoffe, die Kapweine, ein SchlafVock und andere Geschenke,welche an die Kabinetsräthe, Minister und den König selbstgingen, welcher in der Folge die Finna zum Hoflieferantenerhob, seit jener Zeit bei ihr Bestellungen machte und vonZeit zu Zeit sich Berichte über den Stand der Crefelder In-dustrie erstatten liess. Die Konkurrenten waren nun gezwungen,sich auf andere Geschäftszweige zu legen und sie zu grosserVollendung zu bringen; das waren die Sammete und Sammet-bänder, zwei Artikel, welche einen gleichmässigen Absatzhatten und bei denen sie sich daher nicht der Gefahr aus-setzten, ihre Arbeiter bei längerer Arbeitslosigkeit ernährenzu müssen, es sogar riskiren konnten, auf Lager zu arbeiten.Die Firma von der Leyen war selbst nach heutigen Begriffenbedeutend zu nennen; sie beschäftigte in den 1760er Jahren15—18 Zwirnmühlen mit 300, 200 Bandmühlen mit 1000 und500 Webstühle mit 1500 Arbeitern; 1 ) von den übrigen Kauf-leuten hatten die Gebrüder Floh 100 Sammet- und Preyers & Co.30 Sammet- und 209 Sammetbandstühle.
Diese kleine Anzahl von Fabrikanten regelte nun allesunter sich, wie es ihren Interessen entsprach; öffentlicheReglements gab es nicht, alles ordnete sich nach Ereignissenund Umständen; bei gewissen unangenehmen Vorfällen wurdedirect an die Regierung berichtet, welche über jeden Fallspeciell beschloss. Derart waren z. B. die IvabinetsordresFriedrichs d. Gr. über die Flucht der Arbeiter und ihre Ver-führung, von welchen jene Firmen die Depositare waren. s )
Indess gelang es weder den Ring der Arbeiter noch dender Kaufleute geschlossen zu erhalten. Nach dem Einmarschder Franzosen 1794 kümmerte sich Niemand mehr um dasMonopol, nach Beseitigung der anfänglichen Zollschwierigkeitenwurden neue Handelsverbindungen eröffnet und die Industriebedeutend ausgedehnt. Im Jahre 1809 zählte man in Crefeld11 Fabriken für Seidemvaaren, welche 6.264 Arbeiter beschäf-tigten und für 5 7* Mill. Frcs. jährlich umschlugen; im gesummtenübrigen Roerdepartement gab es 21 kleinere Fabriken fürSeidemvaaren und Seiden- und Sammetbänder mit 2000 Ar-beitern und einem Umsatz von 2 Milk Frcs. 3 ) Durch das Ent-stehen neuer Häuser wurden die Arbeiter mehr gesucht, siegingen von einem Hause zum andern über, die Quasi-Erb-unterthänigkeit gegenüber der von der Leyen’schen Familie
b Von den 500 Stühlen gingen 140 auf Sammet, 102 auf Seidentüchermit Damastblumen, 118 auf fa^onnirte Tücher, 7 auf Seidendamast, 43 aufSoesjes, 28 auf Gros de Tours, 97 kleinere Stühle auf liroclnrte Bänder undfigurirtes Sammethand. (.Keussen, a. a. O. S. 475 und 481.)
ä ) Düss. Staatsarchiv. Acta des französ. Roerdepartm. Bericht des Un-terpräfecten von Crefeld an den Präfecten v. 24. August 1810.
a ) a. a. O. Acta Statistik. — A. Dorsch: Statist, du Dep. de la Roer,1804, gieht sogar 12000 Seidenarbeiter für Crefeld an.