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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
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II. 2.

zu sehr im Verdienst reducirt durfte kein Meister werden,denn die aufstrebenden Konkurrenten jenseit des Rheins gabensich alle Mühe, die tüchtigen Arbeiter zuverführen oder siedoch zum Verrath der Fabrikgeheimnisse zu bewegen. Eswurde daher viel auf Lager gearbeitet, was bei den Artikelnmit stabilem Absatz wohl möglich war, und dadurch den Ar-beitern eine verhältnissmässig gesicherte Existenz bereitet,welche die der früheren Leinweber vortheilhaft übertraf. InNothzeiten tliaten die Kaufleute wohl auch einen tiefen Griffin die eigne Tasche, lediglich um ihre kostbaren Arbeiter nichteinzubüssen. So wurden z. B. im Jahre 1787, wo durch Steigender Rohseidenpreise um 50 Procent eine Stockung der Fabrikherbeigeführt wurde, die Arbeiter mit wohlfeilem Brot ver-sehen und auch mit Geld für die nöthigen Lebensmittel be-schenkt,

Obwohl vollkommen abhängig, fremde Stoffe auf fremdemGeräth verarbeitend, hatten die hausindustriellen Lohnweherdoch wenig von den Konjunkturen zu leiden; vielmehr dercnpitalmüchtige Fabrikant war es, auf den alle Wechsel derNachfrage fielen. Bei solcher Ungunst der Arbeiterverhältnisse,denen sich Schwierigkeiten beim Absatz hinzugesellten, strebteer wenigstens die Productionsbedinguugen vortheilhaft zu ge-stalten. Es gelang im Jahre 1750 im rheinpreussischen Gebietdie Befreiung der Rohseide von allen Zöllen, Licenten undAccisen zu erwirken; geschickte Arbeiter aus Frankreich undItalien wurden verschrieben, und als einmal Andreae in Mül-heim a/R. einen solchen auffing und zurückhielt, wandte sichvon der Leyen schleunigst an Friedrich d. Gr., welcher diekategorische Epistel verfasste: wofern die Mülheimer den

Kerl nicht freilassen, sollen meine Soldaten ihn holen. AuchMaschinen liessen die von der Leyen sich aus Holland undFrankreich kommen und bezahlten das Geheimniss der sog.Soesjes sehr hoch.

Die Kardinalfrage blieb jedoch, zum Schutze gegen dieSchwankungen der Nachfrage und gegen die in den Jahren1750 und 51 entstandene Konkurrenz von Lingen & Co. undPreyers & Co. den Verkaufspreis der Waaren auf einer gewissenHöhe zu erhalten. Die von der Leyen gingen geschickt zuWerke. Die Zeit der Fremdherrschaft benutzend, verschafftensie sich am 9. Dec. 1759 ein Monopol auch auf Band - undZwirnmühlen, während sie auf Seidenschnupftücher schon früherein Patent erhalten hatten. Nach Beendigung des siebenjährigenKrieges wandten sich die Konkurrenten mit Beschwerden anden grossen König und vertraten das Freihandelsprincip: durchviele Fabriken vermehre sich die Aenmlation und die Güteder Arbeit, das Land werde peuplirt, Accisen und Zölle ver-mehrt. Indess die von der Leyen bestanden auf ihrem Scheinund wirksamer noch waren die ersten Proben neu erfundener