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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
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II. 2.

Das Ehepaar versteht in der Regel von der Haushaltungnichts und führt die liederlichste Wirthschaft. Hat doch dieFrau ihre Kinder- und Mädchenjahre an der Spul- und Spinn-maschine zugebracht, so dass die Künste des Nähens undWaschens ihr völlig fremd gehlieben sind. Selbst wenn grössereGeldmittel ihr zur Verfügung stellen, ist sie ausser Stande,dem Manne mehr zu bieten als Ivaffewasser, Brot und gekochteKartoffeln, und stellt sie sich einmal an den Kessel, so wirdsie zur Hekate, die Unheilvolles zusammenbraut. Daher istes gekommen, dass selbst während der Glanzjahre zahlreichesolcher Arbeiterfamilien fortfuhren, sich von denselben ab-scheulichen Speisen zu nähren und in denselben dumpfenLochern zu wohnen. Bei solcher Lebensweise ergab sich dannam Ende der Woche natürlich ein grosser Ueberschuss, undgewohnt, den Wochenverdienst auch in der Woche auszugeben,häufte der Arbeiter den ganzen Mehrerwerb auf den Sonntagund Montag. Dann wurden zu Mittag ein grosser Schinken,zum Dessert ein Kuchen und andere Esswaaren gekauft, dieausseilialb des Hauses schon für die unwissende Frau vorbe-reitet waren. Nach dieser soliden Grundlage wanderte derFamilienvater mit der Gattin, der theuren, am Arm in denStadtwald oder auf den Lousberg, trank dort seinen SchoppenMaiwein und beschloss seinen Tag in einer Opernvorstellung imPaulushause, während welcher er sich an Beefsteak und Weinnach den Strapazen des Tages stärkte. Diese Arbeiter gebär-deten sich wie Sklaven, die, eines Tages der Zuchtruthe der Nothentsprungen, alle Genüsse ihrer Herren äusserlich nachahmten,die sogar aus Uebermutli, wenn sie einmal ohne Arbeit waren,in der Kalesche vor die Fabrik angefahren kamen. Bei Leutensolchen Schlages war von einer Erhöhung der Lebenshaltungkeine Rede, und bei der Arbeitslosigkeit und Lohnerniedrigunghaben sie zwar zahlreiche momentane Vergnügungen, nicht abereine geistig, sittlich und social höher stehende Lebenshaltungeingeb iisst.

Indess ist das doch nur ein Theil der Arbeiter, welcherso gewirthschaftet hat; auch Aachen hat einen alten Stammehrbarer und tüchtiger Männer, die für die Zukunft Sorge ge-tragen haben. Sie sind es, welche jetzt in den Fabriken bei-behalten worden sind, und daraus erklärt sich die hohe Zahlder Mitglieder der Prämienkassen (welche für Einlagen bis zu450 M. höhere Zinsen zahlen als die Sparkassen). Im AachenerBezirk gehörten in den Jahren 18761877 von den Arbeiternüber 16 Jahre jenen Kassen an in den Maschinenfabriken 60 u / 0 .in den Wollfabriken unter den männlichen Arbeitern 41 °/ 0 ,unter den weiblichen 26 %, in den Bergwerken 34 (l / 0 , in denEisenfabriken 34 °/u und in den Nadelfabriken 26 u /o- BieMaschinenbauer gelten als Blüthe der Aachener Arbeiterschaft;ihre Industrie hat durch die Krisis mit am meisten gelitten;