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Arbeiterbevölkerung ist aber die Kinderzahl gewöhnlich einebedeutend grössere als nur zwei. Der Hauptgrund davon sinddie frühzeitigen Ileiratlien; Bursche und Mädchen werden inden Fabriken früh selbständig; sie arbeiten den Tag über zu-sammen; in der heissen Luft wird der Geschlechtstrieb sehrgereizt; sie gehen des Abends gemeinsam nach Hause, und amSonntag sieht man zahllose halbwüchsige Knaben, die Cigarreim Munde und den Cylinder schief auf dem Kopfe, ihr unreifesMädchen am Arme spazieren führen. Mit dem Wahlspruch:„zusammen können wir mehr hungern als einzeln“ treten siein die Ehe; die Mehrzahl der Bräute trägt mit Unrecht denKranz im Haare. Für Eheschliessungen solcher Art lassen sichvom religiösen und moralischen Gesichtspunkt viele Gründe an-führen, und die sittenstrenge rheinische Geistlichkeit trägt nichtwenig dazu bei, die Anzahl der unehelichen Gehurten auf einMinimum zu reduciren. Aber vom volkswirtschaftlichen Stand-punkt sind die frühzeitigen Heirathen sehr bedenklich; dieLeutchen kennen keinerlei Enthaltsamkeit, und unaufhörlichwächst die Familie heran.
Freilich nimmt sie ebenso rasch ab. Man bedenke die schlech-ten Wolmungsverhältnisse, die mangelnde Ordnung und Reinlich-keit im Innern des Hauses, vor allem die verfehlte Ernährung derKinder. Wird z. 13. eine Arbeiterfrau aus der Entbindungs-anstalt entlassen und ist ihr auch eingeschärft, dem Kinde anfangsnur verdünnte Milch und auf keinen Fall geweichte Semmel zugeben, so wendet sie sich beim Hinausgehen entrüstet zu ihrerNachbarin und ruft: „Das sollte noch fehlen! Ich will mein
Kind ebenso ernähren wie die Reichen!“ Und nun beginntsie dem armen Säugling die entsetzlichsten Dinge, z. B.„Corinthescheermulle,“ in den Mund zu stopfen. Die Sterblich-keit ist in Folge dessen eine ganz ausserordentliche; fragt mannur die eine oder die andere Frau, welche auf den Treppender Häuser in der Sandkaul mit ihrem Säugling sitzen: Wieviel Kinder habt Ihr gehabt? so lautet die Antwort sehr oft:Neun! Und wie viel sind noch am Leben? Die Mutter weistauf das Kind im Arm. Einen annähernden Massstal) für dieverschiedene Sterblichkeit in den einzelnen Berufen und Stän-den geben folgende Zahlen. Von den 4525 Personen, welchein der Stadt Aachen in den Jahren 1876 und 1877 starben,standen 58 % in dem Alter unter 15 Jahren; über diesemDurchschnitt standen die Gestorbenen aus der Textilindustriemit 65.4 %, der Metallverarbeitung mit 66.4 % und demMaschinenbau mit 66.5 % 1 von den Gestorbenen aus demStande der Gehülfen, Gesellen , Lehrlinge und Fabrikarbeiterwaren sogar 72.8 °/ 0 noch Kinder unter 15 Jahren, und zwar46,9 % von 0—1 und zu 23% von 1—5 Jahren; also fast dieHälfte der Kinder der arbeitenden Klasse stirbt vor Ablaufdes ersten Lebensjahres.
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