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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
Entstehung
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II. 2.

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rechtem Winkel zwei Mal ein Knie macht; die Breite misstkaum zwei Schritt, und an der geräumigsten Stelle wird sienoch durch eine Mauer durchschnitten, da dieser Raum zweiHäusern als Hof dient. Nebenan ist die ,,Arche Noäh, einZellenhaus in der Form eines weit in den Hinterhof sich er-streckenden Rechtecks mit zwei quadratischen Höfen von jevier Schritt, wahrend zu allen Seiten die in der Strasse üb-lichen vier Stockwerke emporstarren, verziert durch die zumTrocknen herausgehängten zerlumpten Hemde, Hosen und an-dern nicht verpfändbaren Kleidungsstücke. Selbst in der jüngstenZeit hat man nichts in dieser Beziehung gelernt; denn bei einigenganz neuen Häusern am Kölnsteinweg ist das Verhältniss desHofes zur bebauten Fläche 1: 12, am Steffensplatz sogar1: 16,7 H; der Mangel einer Bauordnung tritt fühlbar zu Tage.Im Innern des Hauses bildet jede Zelle eine Arbeiterwohnung;sobald die Familie etwas zahlreich ist, erscheint die Stubeüberfüllt: ja, es haben mir glaubwürdige Männer, deren Zeug-niss durch keinerlei Sympathieen für Arbeiter verdächtig er-scheinen könnte, wiederholt versichert, dass bei der Volks-zählung 1871 vielfach in Einem Zimmer zwei Familien an-getroffen worden sind, welche ihren Antheil an der Stube durchKreidestriche abgetrennt hatten. In solchen Räumen wohnen,kochen und schlafen die Armen. Da sind die beiden Häuseran der Königstrasse, die einzigen Ueberbleibsel aus der Zeitvor 1656, trotz ihrer Baufälligkeit, ihren niedrigen Decken,kleinen Fenstern und wahren Hühnersteigen doch noch ge-räumiger im Innern, mit freiem Blicke auf den Garten. Siewaren eben noch für selbständige Handwerkerfamilien deralten Zeit eingerichtet; die modernen Speculationsbauten sindes nur für ..Arbeiter und suchen aus der möglichstenParzellirung der Wohngelasse den grössten Nutzen zu ziehen.

In diesen Räumen, rvelches Elend! Hier eine Frau, welchesich einsam auf dem Schmerzenslager wälzt, während derMann dem Erwerb in der Fabrik nachgehen muss; dort ein rheu-matischer Greis, von Weib und Kind verlassen ; je höher mansteigt, desto grösser wird das Elend. Endlich auf der Dach-kammer macht es Halt, hier kann es nicht mehr übertroffenwerden: ein enger quadratischer Raum von fünf Schritt imDurchmesser, so niedrig, dass der Hut fast die Decke berührt;an der Wand in einem Baumstumpf ein mehrfach zerbrochenesGlas, welches rücksichtsvoll das blasse Antlitz nicht mehrwiederspiegeln will, dann ein hinkender Tisch und ein breitesBett als einziges Ameublement! In diesem leeren Raume ohneSpur irgend einer Behaglichkeit und eines Schmuckes sitztbeim zappelnden Säugling eine abgehärmte Frau und sucht

) (Dr. de Bey): Zur Kritik des Venvaltungsberichts, Aachen 1877, S. 7.