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II. 2.
im Wirthshause über Nacht; in der Hotten Zeit aber stieg ihreZahl oft über 100, und im grossen_Saale lagerten sie in Strohauf dem Boden. Dann gingen sie des Morgens aus, suchtenund fanden auch bald eine Stelle. Heute hält das schwer, undohne Arbeit und ohne Geld ziehen sie des Morgens aus, umzu „fechten“; sie kaufen nämlich beim Bäcker ein paar Semmelnund erbetteln sich dazu einen Topf Kaffe, der ihnen orts-üblich auch gereicht wird. Zu Mittag kaufen sie sich in derHerberge Kartoffeln mit einer Sauce übergossen für 10 Pfg.; dieglücklicheren können für 40 Pfg. ein Mahl aus Suppe, Gemüseund Fleisch bestehend, gemessen. Reisende Mädchen gibt eswenige, und jeder Wirth leugnet, sie aufzunehmen; wohl habesie aber noch sein Nachbar. In der That ist das fast alles nurGesindel.
Modern angelegte Stadttheile mit besonderen Arbeiter-häusern gibt es in Aachen nicht; auch hat weder eine lebens-fähige Baugenossenschaft noch eine wohlthätige Actienbau-gesellscliaft bestanden; nur ein einziger Fabrikant hat seinenArbeitern einige Häuser erbaut; es ist Herr Lammertz. Voretwa 30 Jahren war Aachen noch die alte Stadt wie nach demBrande von 1656; die Wälle umschlossen Arm wie Reich, undder Unterschied des Vermögens kam noch nicht in der Tren-nung der „fashionablen Welt“ von dem Proletariat« äusserlichzur Geltung. Damals gab es leerstehende Häuser und freiePlätze, traurige Zeugen einer grossen Vergangenheit, nochgenug in der innern Stadt, und es war ein Kreigniss. wenn einGebäude neu aufgeführt wurde. Da stieg in Folge des glück-lichen amerikanischen Geschäfts die Arbeiterzahl, die Bevöl-kerung wuchs zusehends in den 1840er und 1850er Jahren,und es ergaben sich Wohnungsverhältnisse, die an Elend undEntsetzen die heutigen weit übertroffen haben sollen. Erst inden 1860er Jahren erwachte die Baulust, und nun entstandenrasch ganze Stadtviertel im Osten und Süden der Stadt. Esbegannen die Wohlhabenden vom übrigen Volke sich zu trennenund in die Vorstädte zu ziehen. wo in den schönen drei-stöckigen und dreifenstrigen Däusern nach belgisch-englischerSitte meist eine Familie für sich wohnt. Die innere StadtAachen blieb den Krämern, Handwerkern, Arbeitern einerseits,den Badegästen, Plotels und Magazinen andererseits überlassen;namentlich die Gegend westlich von der Jacobstrasse undSandkaul kann als Sitz der Arbeiterbevölkerung von etwa30,000 Seelen gelten.
Die Strassen sind hier unregelmässig, aber breit, dieHäuser neu. höchstens 20—30 Jahre alt; aber es sind bereitsSpeculationsbauten, die das Terrain möglichst auszunutzenstreben. Die Höfe sind ganz unzulänglich. Treten wir ein indas Haus der Königstrasse Nr. 1; dort hat der Hof die Formeines schmalen, lang gestreckten Rechtecks, welches unter