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II. 2.
Aufrufe, — alles Mittel und Mittelchen gutherziger und mit-fühlender Menschen, welche entsetzt zurücksehaudern vor demnamenlosen Elend, von welchem der Zufall die Decke hinweg-zog. Aber was wollen die paar Brote unter so viel Tausende!Ueberall muss die Gemeinde helfend eintreteu: in Burtscheidgibt es 50—60, in Esehweiler 30, in Eupen 51 aussergewühnlichunterstützte Familien. In der Stadt Montjoie, welche überhauptim Bückgange ist und von 3000 auf 2000 Einwohner abge-nommen hat, von denen drei Fünftel der besitzlosen Arbeiter-klasse angehören, waren Ende 1877 etwa 200 Personen ohneBeschäftigung und mussten die öffentliche Armenpflege mehroder weniger in Anspruch nehmen. Vor allem hat in Aachendiese Masse arbeitskräftiger und arbeitslustiger, aber notorischarbeitsloser oder bei ihrem Lohne hungernder Armen eineUmwälzung in den Grundprincipien der Armenverwaltung her-vorgerufen. Ihr früherer Grundsatz, wonach ein arbeitsfähigerMann sich selbst und ein rüstiges Ehepaar eine kleine Familiezu ernähren im Stande sein mussten, ist nicht mehr aufrechtzu erhalten. Die Anzahl der unterstützten hausarmen Familienwuchs in den Jahren 1873—77 von 1.364 auf 2.255 und dieZuschüsse der Stadt zur Armenverwaltung von 198.166 auf275.056 M.; 10% der städtischen Bevölkerung empfängt
Armenunterstützung. Dazu kommen die nicht unbeträchtlichenGaben des Elisabeth- und des Yincenzvereines, welch’ letztererim Jahre 1875 225, 1876 305 Familien unterstützte.
Solche Fürsorge wird aber nur in der Stadt getroffen; aufdem Laude geschieht fast gar nichts für die Armen, und dieGemeinden suchen alle Kranken und Unterstützungsbedürftigenzu vertreiben. Das gelingt ihnen dadurch, dass sie denselbeneinfach nichts gehen und sie damit zwingen, in die Stadt zupilgern. Hier melden sich diese Armen manchmal als lnilfs-bedürftig an und werden mit Ausweisung bedroht; dann ver-zichten sie schleunigst auf die Unterstützung und versuchen zweiJahre lang sich durchzubetteln, um endlich den Unterstützungs-wohnsitz zu erwerben. Die Armenverwaltung ist diesem Manövergegenüber sehr empfindlich und sucht sich solche Prätendentenan ihre Kasse fernzuhalten. In den fünf Jahren 1872—77wurden in Folge nothwendig gewordener öffentlicher Unter-stützung aus Aachen ausgewiesen vor Ablauf eines einjährigenAufenthalts als fremde Ortsangehörige 104 und als Landarme47, ferner innerhalb eines ein- bis zweijährigen Aufenthalts 37.beziehungsweise 17, zusammen 205 Personen. Von diesenwaren 30 Personen bis 22 Jahr alt, 14 im Alter von 23—26Jahren und 161 über 26 Jahr alt. Für 296 Ortsfremde, welchemit 6.828 Mark unterstützt worden waren, erhielt man dieKosten nicht zurück. Das Zuströmen aus den ländlichenOrtsarmenverbänden nach Aachen nahm in den Jahren 1871bis 1876 bedeutendzu; diese Verbände wurden auf Grund des