Schaffen und Verwalten am besten durch ein und denselben Kopfgeschieht, da es schwer zu erreichen ist, dass verschieden vor-gebildete Geschäftsleute ihre Bestrebungen einem Ziele zu-lenken. Wie sehr die Mehrzahl der deutschen Industriellennoch des Ueberblicks entbehrt, welcher sie die wahren Ur-sachen der volkswirtschaftlichen Vorgänge erkennen Hesseund sie bestimmen könnte, am rechten Orte das eigene In-teresse dem Gesammtinteresse unterzuordnen. hat sich in zahl-reichen Petitionen der jüngsten Krisis gezeigt, welche sichstellenweise durch bedauerlichen Mangel an Klarheit aus-zeichnen.
Bei den Schwierigkeiten, welche den Fabrikanten unaus-gesetzt durch die ausländischen wie inländischen Konkurrentenbereitet werden, ist am schwersten für sie aufrecht zu erhal-ten — die geschäftliche Moral. Am nächsten liegt die Gefahrihrer Uebertretung hei Anfängern und kleinen Leuten. Diesebrauchen hei ihrer Capitalarmuth vor allen Dingen Geld undmüssen rasch umsetzen; sie leben stets unter den drückendenSorgen der Gegenwart und kümmern sich noch wenig um dieZukunft. Ihr Umsatz ist von so geringem Betrage, dass schonder kleinste Vortheil verhältnissmässig wichtig wird; eine ein-zige gut gelungene Unehrlichkeit macht sich seihst heim Ver-luste einiger Kunden gut bezahlt, und oft sind nur ein paarSilbergroschen der Judaslohn für die verlorene kaufmännischeEhre. In der Tuchindustrie zeigt sich der Unterschiedzwischen soliden alten und unzuverlässigen kleineren Firmenganz deutlich. Die ersteren, welche die alten sicheren Export-wege beherrschen, sind in ihrem Rufe unerschüttert, und so-wohl in der Tuch- wie in der Nadel- und Drahtfabrikation ge-nügt hei vielen Firmen nur die Marke, um ihre Waare inSüdamerika, im Orient, China und sogar in Frankreich verkäuf-lich zu machen; ihre Zuverlässigkeit ist bekannt, und die Ehr-lichkeit macht sich bezahlt. Dagegen leugnen in der StadtAachen, in Hamburg und anderen inländischen Plätzen, welchemit ihrem Bedarf von den kleineren Firmen befriedigt werden,die Kaufleute, Aachener Fabrikate auf Lager zu haben, so sehrgelten dieselben als verschlechtert. Es sind einige Firmen,welchen von der öffentlichen Meinung die Hauptschuld an demschlechten Rufe beigemessen wird; häutig sind es aber auchTuchhändler, denen man zur Last legt, schlechte belgischefür Aachener Waare ausgegeben zu haben. Unter den Näh-nadelfabrikanten ist es allgemein, dass sie nicht allein die eng-lischen Marken, sondern auch die ihrer Aachener Konkurrentenfälschen. Oft laufen Bestellungen bei ihnen ein derart, dasseine geringere Anzahl von Nadeln, als angegeben ist, in dieBriefchen verpackt werden soll; anständige Fabrikanten lehnensolche Anträge ab; andere in bedrängten Verhältnissen greifenzu, und es finden sich dann ini Briefchen statt 25 nur 23 Na-