II. 2.
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erzählt der Gewährsmann x ), dem wir in diesem Absätze fol-gen, dass Söhne dortiger Fabrikanten, als gewöhnliche Arbeiter-in die Fremde ziehend, unerkannt sicli in der Tuchfabrikationvon Grund aus ausbilden und heimgekehrt dann Posten in denväterlichen Geschäften mit Erfolg ausfüllen. Die Arbeitslöhnesind daselbst 20°/ 0 billiger, nicht des geringeren Wochenver-dienstes, sondern der höheren Leistungen der Arbeiter wegen.In einem dortigen Etablissement bestehen die Meister aus denfünf Söhnen des Hauses, und diese sind mit den Arbeitern von5 Uhr Morgens an auf ihrem Posten.
Zu der technischen gesellt sich manchmal sogar die kauf-männische Unkenntniss. So wurde z. B. in Aachen dereinstJahre lang für grobe Gespinnste die theurere einheimischeWolle verwendet, während man im Auslande sich längst derbilligeren und ebenso passenden Laplata- und derartiger Wollenbediente. Aus jenen beiden Mängeln erklärt sich die häufigeMangelhaftigkeit des deutschen Fabrikats und die vereinzeltunpassende Auswahl der Exportartikel ohne Rücksicht auf dasBedürfniss und den Geschmack des betreffenden Platzes. Da-zu kommt noch die Kleinlichkeit der deutschen Geschäftsleute,ihr Herumsparen an Mass und Gewicht, am Ausschlüssenzweifelhafter Produkte und schliesslich an der Ausstattung undder Verpackung. Alles dieses verräth, dass es vielfach kleineLeute und junge Anfänger sind, denen selbst der kleinste Ge-winn, absolut genommen, schon in die Wagschale fällt. DasGeschimpf über die Juden scheint mir in erster Reihe nur zubeweisen, dass diese ungleich geschicktere Geschäftsleute sindals die Aachener; denn sie machen in ganz legitimer Weise,ohne ihr Fabrikat für etwas Anderes auszugeben, Shoddy undMungo auf Bestellung grosser Berliner Konfektionshäuser, diefast für die ganze Welt Damenmäntel daraus verfertigen.
Wesentlich anders ist die Sachlage in der Metallindustrie,im Bergbau, in der Fabrikation von feuerfesten Steinen undder Glasindustrie. Namentlich wo die Unternehmungen vonActiengesellschaften betrieben werden, sind ihre Leiter Tech-niker, welche, soweit sie der jüngeren Generation angehören,auf Polytechniken und gleichstehenden Anstalten vorbereitetsind. Mit Recht wendet man nun ein, dass blosse Technikerzwar gut, aber nicht immer profitabel zu produciren verstehen,dass zu einem tüchtigen Director auch noch theoretisch wiepraktisch erworbene Kenntnisse des kaufmännischen Verkehrsund der grossen volkswirtschaftlichen Vorgänge erforderlichsind. Der erstere Mangel ist selbst durch Beiordnung eineskaufmännischen Mitdirectors nicht zu beseitigen, weil derselbeoft selbst nidit alle Verhältnisse überschaut und weil das
D Aachener Zeitung vom 14. Juni 1876: Die heutige Lage unsererTuchindustrie, von Schwamborn.