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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
Entstehung
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steht, will er seine Sphäre verlassen und Fabrikdireetor oderFabrikant werden.

Das Institut der Werkmeister ist also unter den gegen-wärtigen Verhältnissen von ganz besonderer Wichtigkeit undmuss bei der Beurtheilung technischer Leistungsfähigkeit inden Vordergrund gestellt werden. Es ist kaum glaublich, wieabhängig viele Fabrikanten von denselben sind; selbst beigroben Vergehen, ja bei offenbaren Diebstählen wagen zahl-reiche Kaufleute es nicht, ihre Werkmeister zu entlassen, dasie es sich selbst nicht Zutrauen, auch nur eine kurze Zeitihre Fabrik zu leiten. Am grössten ist diese Abhängigkeit beieiner Reihe jüngerer Firmen, namentlich jüdischer, welche,ursprünglich Händler, sich auf die Fabrikation gelegt habenohne eine Ahnung von der Technik; sie verleiten Werkmeisterund Arbeiter, aus deren bisheriger Stellung in ihr Geschäftüberzutreten, und müssen, um die Vorurtheile gegen ihre Ra^eund ihren Glauben zu überwinden, höheren Lohn zahlen undsehr nachsichtig gegen schlechte Arbeit sein, wodurch sie inden Ruf guter Herren gekommen sind. Freilich sind sie beiAbzügen auch die strengsten und entlassen bei Krisen ihreArbeiter am schnellsten. Die Meister sowie die Arbeiterkennen die Ilülflosigkeit der Fabrikanten sehr wohl; sie sehenin denselben auch nicht die technischen Leiter, sondern nurdiejenigen, die ohne Kenntniss von der Sache und ohne Ar-beit in der Fabrik sich von ihrem Schweisse nähren. In zahl-reichen Firmen, wo es mehrere Associös gibt, hat sich unterdiesen eine Arbeitstheilung herausgebildet: der eine leitet daskaufmännische Geschäft, ein anderer die Fabrikation, eindritter den Maschinenbetrieb ; doch hat sich das erst allmählichin der Praxis entwickelt; in der Jugend haben sie fastsämmtlich nur die kaufmännische Vorbildung genossen undkönnen die Versäumnisse auch später nicht einholen.

In andern Ländern ist die theoretische Ausbildung zwarkeine bessere, aber die Sitten und die geschäftliche Praxissind durchaus andere. In Frankreich besteht die Maxime,eine Reihe von Jahren mit rastlosem Eifer zu arbeiten, um esbis zu einer gewissen 'Wohlhabenheit zu bringen und sich dannentweder zur Ruhe zu begeben oder sich einer weniger müh-samen und sorgenloseren Beschäftigung zu widmen. Im wirth-schaftlichen Theile der Bevölkerung wird diese Denkweise vonJugend an mit dem Alter fortschreitend gross gezogen; Sinnenund Trachten der jungen Männer geht auf Erwerb, um zueinem ähnlichen Resultat wie ihre älteren Vorbilder zu ge-langen. Dieses praktische Vorgehen, eine gewisse Naturanlagedes französischen Volkes, ersetzt in vielen Fällen mancheMangelhaftigkeit des Schulunterrichts und erzeugt tüchtigeMänner. Ein ganz ähnliches A'erhältniss besteht in Belgienund in einem Theile Hollands. Aus Tilburg in Nordbrabant