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den breiten Stuhl selbst mit der Schnellschütze nicht beherr-schen können; auf dem Kraftstuhl war ihre Fingerfertigkeit fürdas Zusammenknüpfen der gebrochenen Fäden sein- gesucht.So kam es denn, dass in Folge des allmählichen Uebergangesvon der Hausweberei zur Fabrikweberei auf Handstühlen undvon diesen zu mechanischen durch die Konkurrenz anfangs vonGesellen und später von Frauen das Lohnniveau sich auf zweiDrittel des früheren hielt; das dritte Drittel steckte derFabrikant als Verzinsung für seine Werkstätte und Stühle undals Lohn für seine Oberaufsicht in die Tasche, — gewiss einüberreicher Lohn. Als nun die alten Meister sahen, dass ihreGesellen ihnen fort — und in die Fabrik gingen, wo sie einergeringeren Controle unterlagen, da setzten sie mehr Lehrlingeauf ihre Stühle, um durch deren geringen Lohn einen höherenVerdienst sich zu verschaffen, natürlich nur auf Kosten einergleichmässigen, fehlerfreien Arbeit; bis auf den heutigen Tagist, mit bedingt durch diesen Umstand, die Hausweberei diePflanzschule für die Tuchweberei geblieben.
ln benachbarten Fabrikbezirken, z. B. in Gladbach, nahmendie Lohnverhältnisse eine ganz andere Entwicklung. Dortwohnte kein einziger Weber in der Stadt; die plötzliche Ein-führung des mechanischen Betriebes zwang, fern vom LandeArbeiter heranzulocken, und trieb die Löhne weit über diefrüheren hinaus. Der Unterschied besteht auch heute noch;in Grevenbroich muss man einem Fadenkinde in der Spinnereischon von der ersten Woche an einen Tagelohn zahlen, da essonst als Kuhmagd oder anderweit etwas verdienen würde,dagegen in Aachen mit seiner angesessenen Arbeiterbevölkerungerhält es in den ersten Wochen nichts.
Mit dem Aufhören des handwerksmässigen Betriebes wurdedie Art des Einkommenbezuges beim Weber eine ganz andere;früher verkaufte er seine Waare um einen gewissen Preis, nunerhielt er für seine Arbeit einen gewissen Lohn. Der Lohnfiel unter die Betriebskosten des Kaufmanns und bildeteneben den Auslagen für Rohstoffe und Waarenlager den be-deutendsten Theil desselben. Je tiefer es ihm gelang den Lohnzu drücken, desto mehr Arbeiter vermochte er zu beschäftigenund Wolle anzukaufen, desto mehr wurde er in Stand gesetzt,seinen Betrieb auszudehnen und den Gewinn zu vergrössern.Die Methoden der Lohnverkürzung waren vielerlei, vor allemkommen diejenigen in Betracht, welche den bereits verdientenLohn zu schmälern suchten durch das Waarenzahlen, die An-wendung falschen Maasses und direkte Lohnabzüge 1 ).
Das Trucksystem ist eine charakteristische Erscheinungder Hausindustrie. Die kleinen Kaufleute sind durch die Technikdes Betriebes gezwungen, mehrere Hülfsstoff'e, Materialien und
*) Königl. Regierung zu Aachen. Acta, Gewerbe und Handel 15, 4.