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Betrieb durch den liausindustriellen verdrängt worden. Siebesuchten in den 1820er Jahren die Frankfurter und drei odervier von ihnen auch die Leipziger Messe. Die Tücher fandenihren Hauptabsatz in Süddeutschland und der Schweiz, derKasimir in Italien, Spanien, Holland, Schweiz und Deutschland;durch die Zolleinigung wurden die süddeutschen Märkte nochmehr erschlossen; dafür machten sich aber die sächsischeKonkurrenz und die billigen Löhne der östlichen Provinzenempfindlich geltend. Im Allgemeinen lagen die Zollverhältnissefür die Tuchindustrie so ungünstig, dass der Absatz in Europaungemein schwierig war; nur über das Meer blieb er offen; inden 1820er Jahren blühte der Handel in die Levante undTürkei, und es begannen die Kaufleute mit grosser Beharrlich-keit sich den amerikanischen Markt zu erkämpfen. Die dortigeKrisis von'1826 und noch mehr die von 1837 bewiesen, welch’grossen Absatz Aachen bereits daselbst fand; letzteres Jahrbatte sogar eine Abnahme der Bevölkerung der Stadt zurFolge; in den vier folgenden Jahren stieg sie aber von 38,900Einwohner auf 44,000 und seit dieser Zeit fangen die Ver-hältnisse an, sich günstig für die Industrie zu gestalten. Unterdem Schutze eines Transitzolls von einem Thaler pro Centnerroher Wolle fuhr die Tuchindustrie fort, auf fremden Märktenjede Konkurrenz siegreich zu bestehen; die Moden- und leichtenWollenstoffe fanden 1841 ungeachtet des hohen Schutzzollsselbst in Belgien Absatz; einige Firmen fabricirten Drucktuche,welche den englischen gleichkamen. Diese günstigen Verhält-nisse erhielten sich in den 1840er und 1850er Jahren, nur kurzunterbrochen durch die Jahre 1848, 1853 und 1857/58. Esblühte damals das Exportgeschäft nach Italien, Spanien undPortugal, in die Union; der Reichthum einer grossen Anzahlnoch bestehender Firmen stammt aus jener Zeit.
Von besonderer Wichtigkeit war der Absatz in die Ver-einigten Staaten ’); dort wurden durch Jahrzehnte Stoffe ge-tragen, welehe den Ruhm Aachens und seiner Appretur aus-machten. Die Vermittlung übernahmen bedeutende amerika-nische Commissionshäuser, welche in Aachen, Eupen und Ver-viers etablirt waren und die empfangenen Waaren prompt nachvierzehn Tagen bezahlten. Die Gewinne dieser Mittelspersonenund der Vorgang ihrer Konkurrenten in Lennep veranlasstendie Aachener Firmen, nach und nach selbst in direkte Ver-bindung mit ihrem Absatzlande zu treten, und besonders diegutsituirten und leistungsfähigen Häuser waren es, welche durch
1 ) Bericht über die Industrieverhältnisse im Regierungsbezirk Aachenvom Regierungsrath Göschen, 31. Januar 1878, in den Acten. LXVII -{-529 Folioseiten nebst zahlreichen Anlagen, Tabellen und Karten. DieserBericht gehört zu den eingehendsten und besten Werken über die Ge-schichte und Statistik der Industrie eines Regierungsbezirks.