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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
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II. 2.

einmal sicher, ihre Waare verkäuflich zu erhalten, da der Ab-satz wechselnd geworden war und jeder neu eroberte Marktein schwankendes Moment mehr in die Fabrikation hineintrug.Daher fanden sofortige Entlassungen und Lohnreductionen statt.Schon am 7. September 1807 klagt ein Yerwaltungsbericht:weil Aachen eine Fabrik- und Gewerbestadt ist, finden sichsoviele Arme, welche unterstützt werden müssen; der Fabrikantzieht von aussen zur Arbeit geeignete Menschen heran undentlässt eie, wenn sie altersschwach werden und nicht mehrarbeiten können.

Die Ausbildung des hausindustriellen Getriebes, wie der-selbe in Eupen, Vaels und Montjoie von Anfang an bestand,nahm in Aachen etwa im XVIII. Jahrhundert ihren Anfangund wurde durch die französische Gesetzgebung mit ihrerReligions- und Gewerbefreiheit und durch die günstigen Absatz-verhältnisse ganz ungemein beschleunigt. Trotzdem empfandendie Arbeiter den Verlust ihrer Selbständigkeit nicht so schmerz-lich, da derselbe in Folge der andauernd günstigen Konjunkturdurch erhöhtes Wohlergehen ausgeglichen wurde. Um so em-pfindlicher wirkte das Aufhören der französischen Herrschaft.Der alte Markt ging verloren, ein neuer war so leicht nichtzu finden; einzelne Staaten waren ganz abgesperrt, andere mithohen Zöllen umgeben; überall hatten sich die ausländischenFabriken selbst verbessert; jenseit der Elbe war einZoll von 8 1 / 3 °/ 0 zu entrichten, und diesseit des Flusses lagder Markt der ausländischen Einfuhr offen. Viele kleineFabrikanten gaben die Produktion ganz auf, grössere be-schränkten die ihrige; zahllose Arbeiter gingen brotlos. Aelin-lich beschäftigte die Messingindustrie kaum ein Drittel ihrer130140 Oefen, welche zur französischen Zeit an 4 Milk Pfd.producirt hatten. Eine solche Massenarmuth wie damals hatteman in Aachen noch nicht kennen gelernt. Wie sollte manden Arbeitslustigen, aber Arbeitslosen helfen? Da schufenwohlwollende Männer aus den unerheblichen Vorschüssen derprivaten Theilnehmer eine Arbeitsanstalt, deren Arbeiterzahljedoch sehr bald aus Mangel an Mitteln von SO auf 30 zu-sammenschmolz, bis im Jahre 1823 die Armenverwaltung die-selbe übernahm. Es waren damals in der Nadelfabrik' derAnstalt 24, in der Leinen- und Wollenfabrik 95 und in derNagelfabrik 12 Arbeiter beschäftigt; diese Anzahl erscheintnicht so gering, wenn man bedenkt, dass die Arbeiter zumgrossen Tlieile als rohe, unbeholfene Menschen nach und nacheingeübt werden mussten. So gewährte die Anstalt sowohlBeschäftigung einer Anzahl arbeitsloser Menschen als auchUnterricht in mehreren Handarbeiten. Die Einbussen warenjedoch so gross, dass 1829 der Geschäftsbetrieb bis auf dieNagelfabrik eingestellt wurde, welch letztere mit nicht un-