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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
Entstehung
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II. 2.

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gelten keine Reglements mehr über die Vornahme der einzelnenArbeitsverrichtungen und keine Siegelungen der fertigenWaaren; ihre Reglements über die Art der Tücher erhaltendie Kaufleute von den Bedürfnissen der Konsumenten; dietechnischen Vorschriften ertheilen sie selbst, ebenso wie siedie Qualität der Waare selbst controliren; die Bussen für dieNichtbefolgung der Angaben fliessen nicht mehr in die Kasseder Zunft, sondern in die des Fabrikanten; nicht mehr dieStadt oder Zunft, sondern die einzelne kaufmännische Firmaist es, welche unter eigenem Zeichen sich den Markt erobert.Beim Kaufmann sind jetzt alle Betriebscapitalien der Woll-und Tuchhändler und Meister für die Beschaffung der Roh-stoffe, das Halten eines passenden Waarenlagers und dieZahlung der Arbeitslöhne vereinigt, ebenfalls aber auch der-jenige Theil des Anlagecapitals, welcher wie die "YVollküchen,Walkmühlen und Lagerhäuser früher Eigenthum der Stadtoder Zunft gewesen war; diese Gebäude werden der öffent-lichen Benutzung entzogen und treten ins Privateigenthum derUnternehmer.

Die Physiognomie des Arbeiterstandes blieb äusserlieh fastunverändert. Es waren in den eigenen Wohnungen mit eigenenWerkzeugen dieselben Spinner, Weher und Färber; aber eswaren nicht nur die Spinner, Färber und Walker, sondernauch sämmtliche Webermeister zu Stücklohnarbeitern herab-gedrückt, der selbständige Handwerkerstand und damit diebreite solide Mittelschicht der bürgerlichen Gesellschaft ver-nichtet. Es gab nur wenige Arbeitgeber und zahlreiche zer-streute Lohnarbeiter, ohne Verbindung, ohne Zusammenhalt,nunmehr ohne gesetzlichen Schutz hei der Festsetzung ihrerArbeitsbedingungen, preisgegeben allen Anforderungen dermächtigen unbekannten Kaufleute. In der Regel verkehrtendiese nicht direct mit den einzelnen Arbeitern; die Vermittlungübernahmen Meister, welche bis zu 3040 Gesellen in- undausserhalb ihrer Wohnung beschäftigten, die Aufträge und dieGarantie für deren Ausführung übernahmen und dafür einen (bestimmten Antheil am Lohn oder ein Fixum pro Elle bezogen.Für jede Verrichtung gab es solche Weher-, Walker-, Scherer-Basen (Herren);die beiden Hartmänner sind die letztendieser Wollbasen, denen die meisten Aachener Fabrikanten-familien entstammen.

Die selbständigen Handwerksmeister hatten in frühererZeit auch die Notli gefühlt; aber sie kannten den Grund der-selben und vermochten ihren einfachen Stapelartikel ruhig aufLager zu arbeiten. Anders hei den Kaufleuten. Deren Ver-mögen bestand hauptsächlich im Betriebscapital, welches inRohstoffen, Arbeitslöhnen und Waarenlager aufging; sie hattenkeinerlei Interesse daran, die Arbeiter zu unterhalten und ihrCapital zinslos liegen zu lassen; ausserdem waren sie nicht