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II. 2.
Was hat. aber die Fortdauer des handwerksmässigenBetriebes so ganz unmöglich gemacht? Die Organisation des-selben war die von gleichstehenden Ivleinmeistern, zu gemein-samem Wirken in einer Zunft zusammengefasst. Unter stabilen,einfachen Verhältnissen mit geringen Anforderungen an Technik,Capital und kaufmännischen Vertrieb vermochte dieser Orga-nismus wohl zu functioniren und den Meistern, wie es imXIV. Jahrhundert geschehen war, Wohlstand und Behagen zusichern. Indess die Anforderungen an die Kaufleute wie andie Meister stiegen, die Konkurrenz erwachte in allen Ländern,die Preise wurden gedrückt, mannigfaltigere Stoffe gefordert,der Welthandel bildete sich aus, und eine Beweglichkeit inHandel und Fabrikation wurde nothwendig. Die frühere Ab-hängigkeit der Käufer von der Art der Tücher war vorbei;jetzt mussten die Meister sich den erhaltenen Bestellungenfügen; sie konnten dieselben nicht mehr an den Mess-tischen abwarten, sondern mussten sie aufsuchen und ihreWaaren zum Verkaufe anbieten. Diese Beweglichkeit hättesich vielleicht auch bei der Zunft Verfassung erzielen lassenkönnen; aber da hätte diese eine andere werden müssen, alssie war, da hätten die alten Meister ihr Ileil nicht in der Be-wahrung überlebter Formen sehen, sondern ihre Innung imSinne einer Grosshandel treibenden Gesellschaft reformirenmüssen. Dazu fehlten aber die Einsicht wie die Initiative;auch wäre der Erfolg ein zweifelhafter gewesen. Die Betriebs-form des Erwerbes musste also eine andere werden, und waswar da natürlicher, als dass zur Erzielung der Beweglichkeitin Fabrikation und Handel die Leitung in die Hände der-jenigen fiel, welche diese Beweglichkeit am meisten darstellten,nämlich der IvaufleuteV
Der Kaufmanns- oder Verlegerstand ging aus mehrerenBerufen hervor; theils waren es die Woll- und Tuchhändler,tlieils die grösseren Webermeister, aus denen er sich bildete.Alles was intelligent und unternehmend war, was Capitalbesass und Ersparnisse machte, entzog sich der ausführendenmateriellen Arbeit und liess andere für sich schaffen, indemes die Direktion derselben übernahm. Der Kaufmann trittvon nun an in den Vordergrund, und sein Comptoir wird zumCentrum der Produktion. Er erspäht die Bedürfnisse desMarktes, erkundet die vortheilhaftesten Absatzorte, beschafftzum billigsten Preise im Grosskauf den Rohstoff, lässt ihn nachseinen Angaben verarbeiten, dirigirt jedes Halbfabrikat ausder Wohnung des Theilarbeiters wieder in sein Comptoir zurück,prüft selbst die Güte und vertreibt die fertige Waare in weiterFerne. In dem Kaufmann fliessen sämmtliche Funktionen derfrüheren Woll- und Tuchhändler, der Meister als Leiter derTechnik und der Zunftvorsteher als Aufseher über den Pro-ductionsprocess und die Güte der Waaren zusammen. Jetzt