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selbst die hochfeinen Sorten, welche viel Kunstfertigkeit einesalten und geübten Arbeiterstammes beanspruchen, hergestelltwerden sollen. Da aber die tüchtigsten und reichstenFabrikanten und Arbeiter die Stadt verlassen hatten und esan Capital, Intelligenz und Geschicklichkeit fehlte, so fabricirteman gerade nicht die den wirthschaftlichen Verhältnissen ent-sprechenden Tücher; mittelmässige Kaufleute waren daraufangewiesen, innerhalb der Stadt auch unter die gewissenlosen,nachlässigen und unwissenden Arbeiter Wolle zu vertheilenund sich von diesen, da sie die zahlreichsten waren, auchschlechte Waare liefern zu hassen. So wurden denn in derStadt im Stück gefärbte einfarbige Tücher hergestellt, ganzwie nebenan auf dem Lande in Vaels. Damit hing die Ent-stehung der sogenannten Kauftücher aus gestohlener Wollezusammen; unter dem Vorwände, ihre eigene Wolle zurückzu-kaufen, trieben manche Fabrikanten einen öffentlichen Handelmit dieser Waare, die ihnen von den Arbeitern geliefert wurde 1 ).
Was die Strenge des Zunftgeistes auf der einen Seiteschon verdarb, richtete die Milde der Polizei und des Ratliesnun völlig zu Grunde. Die gegen den Unterschleif mit gestoh-\ lener Wolle gerichteten Gesetze waren gänzlich ausser Gebrauch;die Stadt hielt über die Eigenschaft der in ihren Mauern ge-fertigten Waaren keine Aufsicht; sie gestattete bei Fallitsachenstatt des Konkurses ein Präferenzrecht, welches alleu'Gredituntergrub und durch Vervielfältigung der Bankerotte bis insUnendliche die Schande des Betruges hinwegnahm; sie ver-hütete es nicht, dass Arbeitsleute und Tagelöhner durch Waaren-zahlen unter Anrechnung übermässiger Preise ausgebeutetund dadurch gezwungen wurden, die überflüssigen, zu hohenPreisen erhaltenen Waaren um Spottgeld wieder zu verkaufen.
Zu allem dem kam endlich noch die Ungunst der allge-meinen wirthschaftlichen Verhältnisse; die Aachener Industriearbeitete mit hohen Transportkosten, da kein schiffbarer Flussin der Nähe war, und das Stadtgebiet war so beschränkt, dassdie Fabrikate überall Zöllen unterlagen.
Es war ein fürchterliches Trio: die religiöse Unduldsamkeitüberlieferte die Stadt einem finsteren Fanatismus, während diepolitische Oligarchie zu einer öffentlichen Korruption führte,welche unter dem Namen der „Mäkelei“ selbst im damaligendeutschen Reiche verrufen war und eine kaiserliche Interventionin letzter Stunde — zu spät — nüthig machte; die wirthschaft-liche Tyrannei engherziger Zünfte suchte eine Betriebsform undeine sociale Gliederung festzuhalten, wie sie sich schon längstüberlebt hatten. Gänzlicher Verfall war das Resultat in einerStadt, wo das Wesentlichste fehlte: Freiheit des Gewissens,Freiheit des politischen Handelns, Freiheit der Arbeit!
*) G. Förster: Ansichten vom Niederrhein 1793, S. 169 ff.
Forschungen (7) IT. 2. Thun 1. 2