II. 2.
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musste naturnothwendig auf die Dauer die thatsächliche wirtli-schaftliche und sociale Maclit der Handwerke auch politischihre Anerkennung finden. Vom Jahre 1450—1513 fanden fort-währende Verfassungsänderungen statt; immer von neuemsuchten die alten Machthaber die neue Ordnung illusorisch zumachen, bis 1513 der damalige Mittelstand definitiv in dasStadtregiment eintrat, indem die Zünfte Vertretung im Ratheerhielten.
Inzwischen hatte die gewerbliche Entwickelung ihrenHöhepunkt mit dem XIV. Jahrhundert überschritten, und schondie politischen Kämpfe wirkten auf den Niedergang derIndustrie hin. Ungleich wichtiger wurden aber die religiösenWirren, welche das XVI. Jahrhundert anfüllen und im Jahre1617 mit der Vernichtung des Protestantismus enden. Auchin Aachen hatte derselbe Wurzeln geschlagen und entwickeltesich immer mehr, obwohl er nicht rechtlich anerkannt warund seine Anhänger z. B. selbst nach Ableistung aller Lehr-jahre und Prüfungen das Meister- und Bürgerrecht nicht er-halten konnten. Namentlich die Woll- und Tuchhändler,welche nach Flandern und Artois Beziehungen hatten, warenProtestanten; sie sandten ihre Söhne dahin und suchten ge-schickte fremde Weher von dort heranzuziehen, welche vomRath mit Reisegeld, Wohnung und auch anderweit unterstütztwurden. In kurzer Zeit huldigte die jüngere Generation derTuchmacher mehr oder weniger der neuen Lehre, und vorüber-gehend gelang es sogar den Protestanten, sich des Rathes zubemächtigen. Die Restauration war aber 1617 eine vollstän-dige, und bis zur französischen Herrschaft blieb die Stadt aus-schliesslich den Katholiken Vorbehalten. Die Messingfabrikationging darüber völlig zu Grunde, da die wenigen Fabrikantensämmtlich vertrieben wurden und in Stolberg Toleranz fürihre Ueberzeugung und Rohstoff und Wasserkraft für ihr Ge-werbe fanden. Die Tuchindustrie sank völlig zur Unbedeutend-heit herab, so dass Noppius im Jahre 1632 schreiben konnte:„Vor Zeiten hat das Gewanderambacht über Maass üoriret, alsodass sie am allerersten angefangen, die Vorstädte zu bauen:jetzt aber, obwohl sie mit Prärogativen und Privilegien allenandern weit vorgeht und übertrifft, ist sie de caetera denandern gleich“. Unter den Vertriebenen befanden sich geradedie tüchtigsten, reichsten und unternehmendsten Händler,Fabrikanten und Arbeiter, und in dichtem Kranze gruppirtensich neue Industrieorte um Aachen. Burtscheid beschäftigteim Verhältniss bald mehr Arbeiter als Aachen: in Eupen undVaels entstanden neue Unternehmungen ; nach Montjoie locktendie billigen Löhne und Heizmaterialien, und das Wasser derRoer eignete sich daselbst vorzüglich zum Waschen, Entfettenund Bleichen der Wollen und Tücher; Düren in seiner wasser-