206 Buch VIII. Sechstes Hauptstück.
Verstärkungen zu schicken, deren dieser damals in seinerunglücklichen Lage bedurfte, und Münster zu entsetzen').Beides vereitelte die thätige Geschicklichkeit des HerzogsFerdinand. Eontades wurde endlich zurückgcrufen; Broglio,den ein Kriegsgericht von der durch Contades erhobenenAnklage, schwerlich mit Recht, freigcsprochcn hatte, erhieltden Oberbefehl. Er versuchte im Anfänge des Novembervergeblich, den Herzog Ferdinand aus seinen Stellungen zuverdrängen.
Der Erbprinz überfiel die mit ihrem Herzoge imfranzösischen Solde befindlichen zuchtlosen würtembergischcnTruppen an einem der Lustbarkeit gewidmeten Tage undzersprengte sie völlig. Der Herzog entkam mit Mühe derGefangenschaft. Nach mehreren Gefechten mußte Broglioseine Unternehmungen gegen den nur halb so starken Herzogvon Braunschweig aufgeben, welcher nichts thun konnte,weil er den Erbprinzen mit 12,000 Mann zum Könige ge-schickt hatte.
Broglio, der sich vorzüglich am Main festzusetzen suchte,verlangte bei der Weigerung der Reichsfürsten vergeblich,daß in Mainz und Würzburg französische Besatzungen aus-genommen und der Ehrenbreitenstein den Franzosen über-geben würde.
Erst im Januar bezogen die Heere, und zwar die Fran-zosen nach Räumung des rechten Main- und des linkenRhcinufers die Winterlager. Der Herzog Ferdinand hattefast 13 Monate hindurch das Feld gehalten, Westfalen undHessen siegreich gegen die übermächtigen Franzosen verthei-digt, und fünf Mal größere Absenkungen nach Franken undSachsen gemacht, um den Prinzen Heinrich und den Königzu unterstützen, welche für ihn nichts hatten thun können.
1) Bei Stuhr II. S. 218.