Der König war cincrsckts nicht bekannt genug mit den,Übeln Zustande, in welchem sich Dauns Heer befand, und iwollte andererseits auch seine Kräfte nicht gegen die ihmvon Daun entgegengesetzten und schwer zu überwindenden >Hindernisse verschwenden. Allerdings war ihm der Zustand ,von Olmütz auch nicht genau bekannt. Er hatte cs im Jahre1742 leicht erobert und erwartete, daß ihm das wieder ge-lingen werde. Jedenfalls hoffte er Daun aus dessen festerStellung zum Entsätze der Festung hcrbcizuzichn und dannGelegenheit zu erhalten, diesen zu schlagen. Ucbrigens sah ^er das Gefahrvolle des Unternehmens ein, auf 30 Meilen ent-fernt von seinen Hauptmagazincn eine Festung in der Näheeines starken zum Entsätze hcranrückcndcn Heeres zu bela-gern; allein er gab hier, wie in andern Fällen, zu viel aufgünstige nicht vorherzusehcnde Umstände oder Zufälle, welcheer für sich zu benutzen dachte. Außerdem war er einem ei-gentlichen Vcrthcidigungskricge entschieden abgeneigt, undwollte seine Feinde nur angriffswcisc in deren eigenen Län- ^dern beschäftigen. Zur Erreichung des nächsten Zieles bc- jdurfte cs des strengsten Geheimnisses und der größten jSchnelligkeit, um Daun durch Gewinnung einiger Märsche !zuvorzukomincn. Friedrich brach daher sogleich nach derApril Ucbcrgabc von Schweidnitz mit den dazu bestimmten Trup-pen nach Ncisse auf, gewann den Ocsterrcichcrn, welche denAngriff auf Böhmen und nicht auf Olmütz erwarteten, einen ^. Mai Vorsprung ab und kam über Troppau ohne Hindernisse vor !Olmütz an. Dieses hatte eine 9000 Mann starke Besatzung,in dem General Marschall einen sehr wackcrn Commandantcnund tüchtigen Ingenieur, war mit Geschütz, Schicßbedarfund allem sonst Nothwcndigcn reichlich versehen und zurwirksamen und dauernden Verthcidigung völlig eingerichtet.Umschwärmt von feindlichen Truppen deckte der König mitseinem insgcsammt 55,000 Mann starken Heere durch fünfabgesonderte Hccrhaufcn auf beiden Seiten der Morawa dieEinschließung der Festung, deren Vcrtheidigungsmittel erfür schwächer hielt, als sie wirklich waren'). Weil das Be-
1) Bci Schöning Artillerie II. S. W.