148
Buch VIII. Viertes Hauptstück.
Der König erklärte, weil man im Halbcrstädtischcn nur vonFeuer und Schwert gesprochen und Pechkränzc zur Drohungaufgchängt, er werde französische Ofsicierc, welche sich zu der-gleichen brauchen ließen, wie Mordbrenner behandeln. Er Imeinte, die Franzosen hätten sich schlechter wie die Russenbetragen').
An Richclicus Stelle trat der Graf Clcrmont, einPrinz des königlichen Hauses, von früher Jugend Abt,dann Soldat, ein wohlgesinnter und als Privatmann acht-, barer Mann, doch ohne alle Fähigkeit ein Heer zu befeh-ligen °). Der Kricgsministcr hatte ihn an den Grafen Mor-taignc gewiesen, ohne den er nichts that und der ihm nichtgut ricth. Das Heer lag ohne Mannszucht, schlecht ver-pflegt und daher plündernd in seinen ausgedehnten Quar-tieren. Der Herzog Ferdinand hatte die ihm gelassene Zeitbenutzt, um sein Heer zu verstärken und mit den nöthigcnBedürfnissen zu versehen. Friedrich II. schickte ihm dazu15 Schwadronen Reiter aus Pommern und überließ ihn,die bei der Räumung Wesels nach Tönningen gebrachten1758 Geschütze. So sehr auch der König drängte, so konnte derFebruar Herzog doch erst in der Mitte des Februar mit etwa 30,WMann den Feldzug eröffnen, als eben Clcrmont den Ober-befehl übernommen hatte und unentschlossen hin und hcr-schwankte, wie er dem Angriffe begegnen solle. Der HerzogFerdinand bemächtigte sich Verdens, der Erbprinz ging überdie Weser und nahm durch Uebcrfall Hoya. Zugleich rückte !auf des Königs Befehl der Prinz Heinrich mit 8600 Mannüber die Ocker in das Hildeshcimischc ein und bedrohte dieRückzugslinie der Franzosen gegen die obere Weser. Cler-mont war in Furcht, die Prcusscn unter Lehwald rückten iaus Pommern an, die Engländer würden am Einflüsse der IWeser landen, und hielt sich von großer Ucbermacht bedroht. ,
1) Bei Schöning Siebenjähr. Krieg I. S. 126 u. 133. ^
2) Daß ihm gleich anfänglich vier Generale beigeordnct wordenwären, ist ein Zrrthum. Es geschah erst nach der Schlacht von Kre-feld, worauf er seinen Abschied nahm. Stuhr II. S- 47. Daß ihn !Mortaignc vcrrathen, ist nicht zu erweisen und nicht aufzuklärcn. Siche ^Stuhr Daselbst S. 166 u. 438.