110 Buch VIll. Zweites Hauptstück.
Das preussische Heer war bis in die Nähe von Listevorgedrungcn, als cs Halt machte. Der König, welcher sichbei der eifrigen Leitung der Schlacht oft in Gefahr gesetzthatte, ritt jetzt heran und fragte, ob noch einige BatailloneLust hätten ihm bis Lissa zu folgen. Es lag ihm nämlich isehr viel daran sich sobald als möglich des dort besondersschwierigen Ucbcrgangcs über die Wcistritz auf der großenStraße nach Breslau zu versichern. Sogleich nahmen dreiBataillone die Gewehre auf und folgten ihm. Voraus-geschickte Reiter untersuchten bei der großen Dunkelheit dieGebüsche in der Nähe der Straße, und der Wirth des >Gasthauses in dem Dorfe Saara leuchtete dem Könige miteiner Laterne. Von Zeit zu Zeit wurden Kanonenschüssegegen Lissa hin abgefcucrt, um die Oestcrreicher zu schrecken.
Zn der Nähe von Lissa feuerten zwei österreichische Ba-taillone auf die anrückcndcn Prcussen, ohne diese weiter auf-zuhaltcn. Des Generals Seydlitz Kürassiere brachten unter-wegs ganze Hausen von Gefangenen ein. Als der König >um 7 Uhr in Lissa ankam, das noch voller Flüchtlinge war,ließ er sogleich die Brücken über die dortigen Arme derWcistritz besetzen und begab sich auf das Schloß, wo sicheine große Anzahl verwundeter und flüchtiger österreichischerOfsiciere und Soldaten befand. Beiin Eintreten war derKönig in Begleitung weniger Adjutanten mitten unterihnen. Voller Geistesgegenwart rief er ihnen freundlich zu:„von soie, Llossiour^! Gewiß sind Sie mich hier nicht vcrmu- ^thcnd. Kann man hier auch noch Unterkommen?" Ucberraschtund erfreut begleiteten sic ihn in den Saal des zweiten Stock-werks und entfernten sich, als nach kurzer Unterredung mitdem Könige sich dessen zahlreiches Gefolge cingefundcn hatte.
Die gegen die Brücken vorrückendcn Soldaten wurdenhier aus den Häusern mit Gewehrfeuer empfangen, machten 'erbittert alles, was sich zur Wehr setzte, nieder und bemäch-tigten sich der Brücken und der dort aufgefahrcnen feind-lichen Kanonen, aus welchen nun der sehr heiter gewordeneKönig zu feuern befahl, so lange Pulver vorhanden wäre.
Unterdessen war ohne erhaltenen Befehl nach und nachdas ganze preussische Heer aufgebrochcn und den ersten drei