98 Buch VIll. Zweites Hauptstück.
1757 gab ihm der König bereits, man weiß nicht aus wel-chem Grunde, Mißtrauen und Verdacht der Untreue zu erken-nen und ließ den bischöflichen Hofkanzlcr Romberg verhaf-ten'), und als nun nach der Schlacht an der Lohe und derEinnahme Breslaus durch die Oestcrreichcr Schlesien ziemlich jallgemein als für Preuffcn verloren angesehen wurde, wendetesich der schwache charakterlose Mann schmiegsam auf die Seiteder Sieger und suchte durch Zeichen der Ergebenheit diesefür sich zu gewinnen, welche ihm wegen seiner frühem Ver-hältnisse zu Friedrich sehr abgeneigt waren"). Natürlichmußte das Benehmen des Kirchcnfürstcn einen großen Ein-druck auf die den Ocsterrcichcrn ohnehin geneigte katholischeBevölkerung Schlesiens machen und bei der damit überhandnehmenden Niedergeschlagenheit der Evangelischen dem Königedie Behauptung und Wicdercroberung des Landes erschweren.
Die Oestcrreichcr dachten nur daran in Schlesien sichereWinterquartiere zu halten, was die Franzosen sehr verdroß,welche die ihnen immer nöthigcr werdenden Rücksichten fürsich in Anspruch nahmen, aus Besorgniß, der König könnesich gegen sie wenden und ihre Winterquartiere in Nieder-sachsen überfallen. Friedrich hatte jedoch, wie wir sehen wcr-
1) Menzel XI. S. 317.
2) Am ausführlichsten und gründlichsten aus den Acten MenzelXI. S- 301 ff., wo namentlich S. 329 recht scharfsinnig die Veran-lassung vieler unbegründeten Volksgerüchte über das Benehmen des Bi-schofs, namentlich nach der Einnahme Breslaus durch die Oesterreicher,nachgewiesen wird. Was die unterlassene Anlegung des schwarzen Ad-lerordens bei dem Hochamte nach der Eroberung Breslaus angeht, sobemerke ich noch, daß der Bischof den II. Februar 17-19, nachdem erihn erhalten, dem Papste versicherte, daß dieser Adler nie auf seinemKleide gesehen werden solle, wenn er öffentliche Functionen als Bischofverrichten werde, was der Papst billigte und ihm 8. März einschärste,den Orden auch nicht wenn er im Talar gekleidet, sondern nur in dergewöhnlichen kurzen Kleidung bei allen gleichgültigen Handlungen zutragen, die nichts mit der Kirche zu thun hätten, was der Bischof I. Aprilversprach. Lheiner Zustände der katholischen Kirche in Schlesien II.
S. 18, 50 und 51 und Urkund. S. 335. Wahrscheinlich hat der Bischofdaher den schwarzen Adlcrordcn überhaupt niemals bei seinen Amtsvcr-richtungen getragen, was auch so wenig wie bei andern Geistlichen zurbesonderer Erbauung der Gemeinde gedient haben würde.
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