Druckschrift 
5 (1854) Von 1756 bis 1763
Entstehung
Seite
85
Einzelbild herunterladen
 

Stimmung im Reichsheere.

85

Franzosen ohnehin außerordentlich abgeneigt. Diese Sol-^ baten meinten wol, daß sie nicht dazu da wären, um sich^ todt schießen zu lassen, und sowol unter ihnen wie unterihren Officieren wurde Friedrich bewundert. Die Ofsiciere^ der schwäbischen Kreistruppen wollten lieber zu ihm über-

> gehen als nach Böhmen marschiren. Ein gefangener schwä-! bischer General, den Seidlitz wegen dessen Mißgeschick aus

Höflichkeit trösten wollte, erwiderte, ihm sei das ganz recht,^ er wünsche gar nicht ausgcwechselt zu werden '). WarFriedrich doch der Einzige, dem zu dienen trotz aller Ge-fahr und Beschwerde für diese fast vaterlandslosen Deut-schen noch rühmlich scheinen konnte. Wie hätten sie gegen^ diesen mit Hingebung fechten sollen! Selbst die kurkölnischen' Truppen flößten daher den Franzosen kein Vertrauen ein').

> Die Reichsstände selbst waren ihrerseits nichts weniger als

! treue Anhänger Oesterreichs und Frankreichs, sondern suchtenj nur augenblickliche Vortheile für sich. Wir haben schon ge-! sehen, wie der Streifzug Mayrß nach Franken Kurbaiern

^ und andere Reichsfürsten geschreckt hatte, daß sie bereits mit

Preusscn über Parteilosigkeit unterhandelten.

Die Stadt Nürnberg mußte durch Execution gezwungenwerden ihren Truppenbeitrag in das Lager bei Fürth rückenzu lassen. Sechstausend Pfälzer, welche zum französischenHeere stoßen sollten, machten sogar auf die Nachricht von! Friedrichs Siege bei Prag auf Befehl ihres Hofes plötzlichHalt').

Man wird sich leicht vorstellen können, wie schlecht dieAusrüstung und Einrichtung des Reichsheeres beschaffen war.

! Die Artilleriepferde wurden auf dem Marsche, ebenso das! Schanzzeug in den Dörfern mit Gewalt und unter schweremUnfuge erpreßt. Stehlen und Plündern war an der Tages-i ordnung. Der König von Polen schrieb daher dem Prinzen

> Karl von Lothringen einen anzüglichen Brief, daß die

^ Reichsarmee in Sachsen weit feindseliger als die Preussen

I 1) Stuhr I. S. 326.

j 2) Daselbst I. S. 317.

3) Daselbst I. S. 318.