Apraxin rückt in Preussen ein. 63
serin Elisabeth unbeschränkte Vollmacht ertheilt hatte'), schonseit dem Anfänge des Februar in Riga, ohne etwas zuthun. Endlich hatte er den dringenden AufforderungenOesterreichs und Frankreichs doch nachgeben müssen und warEnde Juni mit über 100,600 Mann und 300 Geschützen inmehreren Colonnen in Preussen eingerückt. Friedrich konntedieser großen Uebermacht nur etwa 30,000 Mann, wobei2000 Milizen und 64 Geschütze, unter dem 76jährigen Feld-marschall Lehwald entgegenstellcn, dem der einsichtsvolleMajor von Golz als lRathgebcr zugesellt war. Es warein solcher Mangel an Kanonieren, daß der König im zwei-ten Treffen nur sechs Mann für jedes Geschütz bewilligte,weil er in Sachsen keine Kanoniere entbehren konntet). Zu-gleich erschien eine russische Flotte mit Landungstruppen undBelagerungsgeschütz vor dem curischen''Haff.UsSo hattendenn die Russen nach kurzer doch heftiger Beschießung Me-5. Julimel zur Uebergabe gezwungen, waren nun im^Besitze^ einesHafens und bedrohten"Königsberg. Eine ^englische Flotte.konnte zum Schutze Preußens nicht, wie mit Friedrich ver-tragen war, sin der Ostsee erscheinen, weil die Russen an-zeigtcn, sie würden das für eine offene Kriegserklärung ari-schen, was England vermeiden wollte"). Von den 28,000Mann regelmäßiger Truppen, welche ausdauernd und tapferzur Vertheidigung, aber zu ungeübt waren, um die einfach-sten Heeresbewegungen auszusühren, bildeten 16,000 Grena-diere den" Kern. Die Reiterei war nur zum Theil gut be-ritten, das Material der Artillerie vortrefflich, der Troß un-geheuerzxsdie zahlreichen, völlig 'zuchtlosen, unregelmäßigenTruppen, «Kosaken I und Kalmuken^ «Apraxins durchstreiftenplündernd, raubend und brennend das unglückliche Landendverübten, während Fermors Heer gute Ordnung^ hielt,'dieabscheulichsten Grausamkeiten an den Bewohnern, was dieBauern zum Widerstande reizte, daß sie viele Kosaken er-schossen, was dann zu noch erhöhten Ausschweifungen derRussen führte, welche zu hemmen auf Lehwalds Beschwerde
1) Stuhr I. S. 285.
2) Bei Schöning Artillerie II. S. 41.
3) Bei Stuhr I. S. 287.