60 Buch VIII. Zweites Hauptstück.
Zurückgehen seines Bruders auf dem falschen Wege höchstaufgebracht. „Wenn Sie Sich ferner so zurückziehen, stwerden Sie in vier Wochen bei Berlin stehen," schrieb erihm und gab, so weit es möglich war, Anweisungen überdas, was der Prinz zu thun hätte. „Nimmt der Feind Zit-tau," sagte der König zu seinem Bruder Heinrich, „so istAlles verloren, die Lausitz und alles zum Teufel, und meinHerr Bruder (der Prinz von Preufsen) ist die Ursache, wennwir verloren sind. Der verteufelte Schmettau verdirbt mirAlles." Auf mildernde Vorstellungen des Prinzen Heinricherwiderte der König: „Ich liebe meinen Bruder, aber zümCommandiren ist er nicht geschaffen. Und warum will erdenn durchaus commandiren? Nein! ich kann ihm das Coin-mando nicht lassen." Auf die Nachricht von dem Verlustevon Gabel, welches den Oesterrcichcrn den Weg nach Zittaufreilich, wollte er dem Prinzen Heinrich den Oberbefehl überdas Heer des Prinzen von Preußen geben, doch lehnte Hein-rich das ab'). Der König mußte jedoch nunmehr mit sei-nem Heere Böhmen räumen und, obwol immer erst fünfWochen nach der Kolkner Schlacht, von Leitmeritz nach Pirnazurückgehen. Als er die weiteren unglücklichen Nachrichtenaus der Oberlausitz erhielt, ließ er etwa 10,000 Mann unterdem Prinzen Moritz von Dessau bei Pirna gegen die Oester-reicher stehen und marschirte mit seinem Heere nach Dres-den, und dann er selbst voraus nach Bautzen. Er war schondurch die Nachrichten von dem Vordringen der Franzosen,der Russen und Schweden in die größte Verlegenheit ge-setzt. Nun hatte er Böhmen räumen müssen und Zittaumit den großen Magazinen war verloren sowie der nächsteWeg nach Schlesien verlegt. Er maß seinem Bruder alleSchuld bei und sagte: „Wenn der Staat und meine Familieunglücklich werden, bin ich nicht Ursache, sondern der Prinz vonPreussen." Er überhäufte diesen mit den härtesten Vorwür-fen im bittersten Tone: „Commandiren Sie einen Serail so ,groß wie Sie wollen," schrieb er ihm, „die Schande wird ^auf Sie zurückfallen; aber so lange ich lebe, werden Sie »»-' -
1) Hcnckel I. S. M.