Druckschrift 
4 (1851) Von 1739 bis 1756
Entstehung
Seite
356
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Buch VN. Zwölftes Hauptstück.

häufige Gelegenheit zum Scherzen und Spotten; die Unter-haltung, mit Sarkasmen gewürzt, wurde oft bis über dasLebhafte hinaus erhitzt durch die nationale Lebendigkeit desProvencalcn, der aber doch immer Takt genug hatte, zur ge-hörigen Zeit wieder einzulenken. Der König liebte daher sei-nen Umgang so sehr, hatte sich an seine Unterhaltung so ge-wöhnt, daß er ihm zu allen Zeiten zahlreiche Briefe schrieb,in welchen er sich oft vertrauensvoll über die wichtigsten Ver-hältnisse äusserte und noch öfter sein Herz ausschüttete, undihn schon während des zweiten schlesischen Krieges währendetwas ruhigerer Tage aus Berlin zu sich kommen ließ. Eswar der Umgang mit d'Argens, wie es mir scheint, nachdemihn der König ganz kennen gelernt und sich von seiner voll-kommen ausrichtigen Hingebung überzeugt hatte, vorzugsweisedeshalb wichtig, weil der König, abgesehen von der Erholung,welche ihm die Unterhaltung gewährte, zugleich manche Wahr-heit hörte, welche ihm Niemand so geschickt zu sagen wußte, wied'Argens, und weil er bei so vielen trüben Erfahrungen docheinen Gelehrten und Schriftsteller in seiner nächsten Umge-bung, wegen dessen uneigennütziger Ergebenheit und der edlenEigenschaften seines Herzens, immer höher achten musste;während er sich gcnöthigt sah, Andere bei näherer Bekannt-schaft geringer zu schätzen. Das war namentlich der Fallmit Voltaire.

Wir wissen, wie hoch der König schon als Kronprinz desberühmten Dichters Leistungen achtete, wie er vor Begierdebrannte, ihn kennen zu lernen, wie er ihn zuerst in Weselsah. Dann war Voltaire im Herbst 1743 nach Berlin ge-kommen, um mit dem Könige eine Diversion zu GunstenFrankreichs zu verhandeln, ohne Beglaubigungsschreiben, wasder König halb als Scherz behandelte. Er konnte cs über-haupt durchaus nicht vertragen, daß sich die Freunde destäglichen Umgangs in Staatsangelegenheiten mischten. Essollten diese Gesellschaften, auch in dieser Rücksicht völlig ver-schieden von dem Tabakscollcgium seines Vaters, ausschließ-lich der heiteren Unterhaltung gewidmet, er wollte hier Mensch,nicht König sein. Er hatte nun Voltaire wohl schon so weitkennen gelernt, daß er ihn nicht in jeder Rücksicht achten