188
Buch VII. Zehntes Hauptstück.
Das ist von entschlossenen Fürsten immer geschehen, wennsie es ihrem Interesse gemäß fanden und wird auch fernergeschehen.
Friedrich H. wird man am wenigsten gegründete Vor-würfe über seine Handlungsweise gegen seine Verbündetenin einer Zeit machen können, in der fast ohne Ausnahmejeder Fürst und so hier Frankreich ohne alle Rücksicht aufTreu und Glauben immer bereit war, seinem Vortheilc jedenVerbündeten aufzuopfern. Weit schwieriger würde es sein,das beim Schlüssen und Brechen des Klein-SchnellendorferVertrages beobachtete Verfahren zu rechtfertigen oder nureinigermaßen zu entschuldigen. Das muß man den dazu bestimm-ten eigentlichen und uneigentlichen Staats-Hof- und Haus-Historiographen überlassen, für Andere kommt es nur daraufan, daß sie nach besten Kräften das, was wahr ist, erforschen,es dann unumwunden aussprechcn und gerecht würdigen.Auch ist Friedrich in Wahrheit so groß, daß man nicht ein-mal nöthig hat, das was sich in seiner Handlung unsererMeinung nach nicht rechtfertigen, sondern nur erklären unddas heißt entschuldigen läßt, irgend zu verhüllen.
Zehntes Hauptstück.
Ursachen des zweiten schlesischen Krieges.
Äöar der Schmerz Maria Theresias über den VerlustSchlesiens und der Grafschaft Glatz groß, so war der Schrek-ken und die Erbitterung der Verbündeten König Friedrichs H.über dessen Friedensabschluß mit Oesterreich nicht kleiner. Siefürchteten anfänglich allgemein, er werde nicht nur den Frieden,sondern auch ein Bündniß mit Oesterreich und England gegensie abgeschlossen haben. Man erzählte, der Marschall Belle-Zsle sei bei der Nachricht in Ohnmacht gefallen, der Car-