Zweites Hauptstück. Regierungsantritt. 39
hörten mehr seiner Lebensbeschreibung als der GeschichtePreußens an, allein man wird nicht vergessen, daß in dieserZeit der König zugleich Herz und Kopf des Staates war,der selbst willenlos wie eine Maschine von dem Meister ge-handhabt wurde, welcher Allem, was geschah, seine Eigen-thümlichkcit aufprägte, und welche Eigenthümlichkeit! Preus-sen, Deutschland — Europa hat keine großartigere, keineedlere gesehen!
Zweites Hauptstück.
Regierungsantritt H.
Friedrich hatte sich, hingegeben den ersten lebhaften Ein-drücken des natürlichen Schmerzes, kaum von dem Todten-bette seines eben Hingeschiedenen Vaters entfernt, als der alteFürst Leopold von Dessau vor ihm erschien, mit Thränen dieKniee des jungen Königs umfasste und die Erwartung aus-drückte, daß ihm und seinen Söhnen ihre Stellen verbleibenwürden, ihm selbst aber die Autorität, welche er unter demverstorbenen Könige gehabt. Friedrich, der den Fürsten niehatte leiden mögen, drängte, verletzt durch diese unfeine Zu-dringlichkeit, seine schmerzlichen Gefühle sogleich zurück undsagte dem Fürsten und dessen Söhnen Bestätigung ihrerStellen zu, von des Fürsten Autorität aber sei ihm nichts
t) ES ist sehr zu bedauern, daß nicht einer der flcissigen Sammlerder Geschichte Friedrichs N. einen chronologischen Nachweis aller gedruck-ten Aktenstücke und sonst bekannten Thatsachen zur Geschichte des großenKönigs, immer mit Angabe der Quellen, gegeben hat, indem des pa-triotischen und mehrfach um die Geschichte dieser Zeit verdienten Röden-becks Versuch eines Geschichtskalenders völlig mislungen ist. Ebenso fehltnoch ein zuverlässiges Berzeichniß über alle die Geschichte Friedrichs desGroßen betreffenden Quellenschriften und Bearbeitungen. Das sindArbeiten, zu welchen Fleiß und Genauigkeit in den Angaben völlig hin-reichen.