Druckschrift 
4 (1851) Von 1739 bis 1756
Entstehung
Seite
56
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Drittes Hauptstück.

Auswärtige Verhältnisse.

Der junge König besaß den lebhaften Ehrgeiz, einenruhmvollen Namen in der Geschichte zu erringen ^). Es er-füllte ihn mit dem stärksten Unwillen, daß sein Vater vomKönige Georg II. mit Geringschätzung behandelt und spott-weise nur der Corpora! oder der Erzsandmann des heiligenrömischen Reichs genannt worden, daß das Ansehen Preus-scns durch die Haltungslose und ungeschickte Behandlung derauswärtigen Angelegenheiten überall gesunken war. Dieses, ihnebenso tief als lebendig durchdringende Gefühl hatte ihn vomfriedlichen Wohlleben im Kreise der Künste und Wissenschaftten, wofür er natürliche Neigung besaß ^), zurückgebracht zurSparsamkeit und augenblicklichen Verstärkung des Heeres.Es war sein fester Entschluß, keine Gelegenheit vorübergchenzu lassen, seine Besitzungen zu erweitern, seine Macht zu ver-größern, immer aber sich als König zu zeigen, nie der Zweitezu sein, wo er der Erste oder wenigstens der Gleiche seinkonnte.

Sein Vater hatte ihm auf dem Todtcnbette mancherleigute Rathschläge in Beziehung auf das Verhältniß Preussenszu seinem eifersüchtigen Nachbarn und den großen Mächtengegeben. Das Einzelne charakterisirt mehr die Auffassungendes Vaters, als daß er seinem Sohne viel Neues gesagt hätte;doch mag es mit dazu beigetragen haben, diesen aus seineridealen Auffassungsweise der Verhältnisse noch mehr als sonstauf den Boden der nackten Wirklichkeit zu führen. So istes nicht uninteressantzu hören, wie der Vater hinsichtlich desKaisers meint, wenn man diesem als Reichsoberhaupt auchmit aller Rücksicht entgegenkommen müsse, so dürfe man doch

1) Brief an Jordan vom 3. März 1741.

2) An Jordan, 24. Februar 1741. Wenn ich nicht Fürst wäre,würde ich nur Philosoph sein, doch muß Jeder sein Handwerk treibenund ich will nichts halb thun.