Auswärtige Angelegenheiten. 61
angekommen, unter mancherlei Vorwänden lange Zeit keinGehör gestattete, ihm vielmehr andeuten ließ, er sehe, waser von der Freundschaft des wiener Hofs in großem Dingenzu erwarten habe.
Er war entschlossen, sein Recht auf Berg ohne Rücksichtauf den Kaiser und Frankreich mit den Waffen geltend zumachen, und ließ bereits im October an einer Feldverschan-zung auf dem linken Rheinuser bei Büderich, Wesel gegen-über, arbeiten, um dort vorläufig eine Heerschaar aufzustellenund die Ankunft des gesammten Heeres abwarten zu können.Doch schien das nicht so nahe. Er wollte seinen Anti-Maechiavell umarbeiten, ein gutes französisches Schauspieleinrichten, und dachte, umgeben von geistreichen Männern, inFrieden den Winter zu verleben, als sehr unerwartet nicht derTod des alten, fast achzigjährigen Pfalzgrafen, sondern derweit wichtigere des kaum 55 Jahre alten Kaisers ihn unterdie Waffen rief.
Viertes Hauptstück.
Ursprung des ersten schlesischen Kriegs.
^ 1740
Lim 26. October Morgens kam m Rheinsberg, wo sich 26. Oct.
der König eben aufhiclt, die von dem prcussischen GesandtenBorke in Wien gegebene Nachricht von dem am 20. Octobererfolgten Tode Kaiser Karls VI. an. Der König lag imFieber. Als der Anfall vorüber war und ihm die Nachrichtgemeldet wurde, war er sogleich entschlossen, die sich ihm dar-bictende Gelegenheit zu benutzen, um sich Schlesiens oder docheines möglichst großen Stücks dieses Landes zu bemächtigen.
Hatte er früher in Ermangelung einer andern Aussicht, wiewir sahen, ernstlich daran gedacht, die bevorstehende Er-ledigung des Herzogthums Berg zur Vergrößerung seiner Staa-ten zu benutzen, so war diese Angelegenheit doch so verwickelt,