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Buch VII. Zwölftes Hauptstück.
gern die Kirche und was mit ihr zusammenhing, in gehöri-ger Ordnung nach bestimmten Regeln gehabt, je freier erLas Gebiet des ihm völlig gleichgültigen eigentlichen Glau-bens ließ, sobald dieser nicht in das Gebiet des Staats that-sächlich hinüberstreiftc. Daher wollte er auch neue Lchrmci-nungen nicht cinreisscn lassen und hielt für das beste Heil-mittel dagegen, sic lächerlich zu machen. Oeffentlich nahm er,gewissermaßen an der Spitze der Protestanten, aus Politikderen alten protestantischen Kirchenglauben in Schutz, so un-verhohlen er ihn gcringschätzte. Hatte er doch als Gesell-schafter an seinein Hofe den zügellosen Religionsspöttcr LaMettrie, dessen Schriften später auf des Königs Veranstal-tung gedruckt wurden, die aber glücklicherweise, weil sie fran-zösisch geschrieben waren, wenige Deutsche lesen konnten.Als aber ein gewisser Gebhardi, ein heterodoxer Rationalist,zwei Abhandlungen, vernünftige Gedanken von der strengenLchrart in der Theologie und von übernatürlichen Begeben-heiten (1743), dann drei Gespräche über wichtige Wahrheitendeutsch drucken ließ, wurden sie auf Befehl des Königs ver-boten. Der Buchhänder Rüdiger kam sechs Monate auf dieFestung nach Spandau, weil er die Schrift eines DoctorPott hatte drucken lassen, in welcher die christliche Religionund deren Herolde angegriffen worden waren ^). Wie sehrer dabei die Sache von der Person trennte, wie ihn durchausnur Staatsrücksichten bestimmten und alles Andere, sobald eres für unschädlich hielt, als Nebensachen ansah, zeigt seinVerfahren gegen den damals bekannten Theologen Edelmann,der als allerdings leidenschaftlicher Freidenker verfolgt, inBerlin bei einem Privatmannc einen Zufluchtsort gefundenhatte. Edelmann hatte unter allen Deutschen zuerst gewagtdrucken zu lassen, Jesus sei ein blosser Mensch gewesen undnach dem ordentlichen Laufe der Natur von Maria geboren
I) Schlosser's Geschichte des 18. Jahrhunderts Th. I. S. 526. An-merk. Preuß, Friedrich der Große III. S. 251 Anmerk. 1. verweistauf Baumgarten's Nachrichten von einer halle'schen Bibliothek I. 252,wo bewiesen sein soll, daß Pott Verfasser jener Schrift sei, doch stehtdort nichts vom Verfasser.