302 Buch VII. Zwölftes Hauptstück.
einander näher zu bringen. Den neuen Generalen schickte erdas von ihm verfertigte und 'gedruckte Werk „laoti^ne"zum fleißigen Studium, damit er sich mit ihnen darüber un-terhalten könne, wenn er mit ihnen zusammcnkäme. Er be-fahl es bei Ehre und Pflicht äusserst geheim und immer un-ter Schloß und Siegel zu halten, und mit keinem Menschendavon zu sprechen '). Er war bei den Hebungen wie in derAufrcchthaltung der Kricgszucht schonungslos streng und dasWohl und Wehe auch der höchsten Officiere hing ohne An-sehen der Person oft von dem Ausfälle der Musterungen undUcbungcn ab. Die Inhaber und Befehlshaber der Regimen-ter waren jedesmal in Gefahr, mittels eines: „Schcer' er sichzum Teufel!" wcggcjagt zu werden. Sie zitterten vor demBlicke des Königs, wenn er erzürnt war. Es wurde nebender strengen Zucht besonders viel auf Gleichförmigkeit in allenAcusscrlichkeiten und den mechanischen Theil der Taktik ge-sehen. Am Gcschützwcscn änderte er bis 1762 nichts. Be-sonders wurden die Fortschritte in der Ausbildung der Rei-terei bewirkt, welche der König um so eifriger betrieb, jemangelhafter die Beschaffenheit dieser Waffengattung wie wirwissen früher gewesen war. Sie war auch, wie wir bereitsgesehen haben, wesentlich seine eigene Schöpfung, währenddie Einrichtung des Fußvolks weniger Gelegenheit zu Ver-besserungen bot. Der französische Gesandte Valori bewun-derte, wie eine Schwadron im vollen Laufe auf das ersteSignal Halt machte, und eine treffliche Ordnung behauptete;oder wie die erste Linie ihren Galopp fortsetzte, während diezweite inne hielt, und dann im Trabe nachfolgte. Früherhabe man nur den Stock gefürchtet, jetzt begreife Jeder denNutzen und unterwerfe sich mit einer durch Einsicht getrage-nen Resignation. Valori war doch bei der Heerschau im I.1747 erstaunt über den schönen Zustand des Fußvolks, dasin den letzten Feldzügen stark gelitten. Die alten Regimenterhätten an Zucht und Kriegsfcrtigkeit vielleicht noch gewon-nen, meinte er. Er sah zu seinem Erstaunen eine Linie von
I) Schreiben des Königs v. Z. 1751 u. 1759 in Preuß, Urkunden-buch I. S. 238.