Ursachen des zweiten schlesischen Kriegs. 191
s Frieden anbot, indem er den Vorwurf ablehnte, Urheber dess Kriegs zu sein, dem er sich vielmehr nach Kräften widersetztund der ihm den bittersten Kummer verursacht habe. Frank-reich verlange nichts für sich. Vor sechs Monaten habeMaria Theresia Vorschläge gemacht, welche er nur deshalbnicht habe annehmen können, weil es (durch Preussen) ge-^ bunden gewesen. Dieser demüthigende Schritt hatte bei dererbitterten Maria Theresia keinen weitern Erfolg, als daß siebas Schreiben des Cardinals in öffentlichen Blättern bekanntmachen ließ').
Friedrich II. suchte seinerseits auf die öffentliche Mei-nung in Frankreich zu seinen Gunsten zu wirken. Sein Ge-sandter Chambrier in Paris behauptete in einer kleinen, gleichnach Abschluß des breslauer Friedens herausgegcbenen Schrift,der französische Hof habe dem Herzoge von Broglio aus-drücklich verboten, zum Könige zu stoffen und eine Schlachtzu liefern. Broglio habe dennoch versprochen, dem preussi-schen Heere vor der Schlacht bei Czaslau zu Hülfe zu kom-men, aber nicht Wort gehalten. Frankreich habe auch inWien ohne Preussens Wissen und zu dessen Nachtheile Frie-densvorschläge gemacht. Dieser letzten Behauptung widersprachindessen der Cardinal Fleury öffentlich").
Der General Seckendorf, welcher unwillig über den Un-dank, den er in Oesterreich erfahren, in Kaiser Karls VH.Dienste getreten war, der ihm den Oberbefehl über sein ohneGeld und Lebensmittel in der armseligsten Lage befindlichesHeer gegeben hatte, erhielt in Berlin die Zusicherung, derKönig werde nicht allein nichts gegen den Kaiser unternehmen,sondern diesen vielmehr bei jeder Gelegmheit unterstützen').Doch suchte der durch den Hochmuth seiner Freundes wie
1) k'Issoan V. p. 160. Adelung III. S. 195.
2) Heldenleben II. S. 735.
3) Seckendorfs Leben II. S. 287. Adelung lll. S. 217. Bergl.V»I°ri I. p. 167 u. 171.
4) Wie hochmüthig ihm Maillebois im 2- 1742 begegnete und wiesich die französischen Officiere in seinem Vorzimmer fast wie in einerWachtstube benahmen, bezeugt Loen in s. gesammelten kleinen Schriften2te Auflage Thl. II. S. 267.