168 Buch VII. Neuntes Hauptstück.
offenen Felde mit gut geübten regelmäßigen Truppen aufzu-nehmen, desto gefährlicher zerstreut und im Einzelngefechtewaren. Die wackern wiener Bürger waren ebenfalls ent-schlossen, mit der Besatzung die Hauptstadt tapfer zu verthei-digen. Sie wiesen den Antrag des Kurfürsten von Baiern,ihm zu huldigen, entschieden zurück.
Dieser zugleich eigensinnige, hochfahrende und schwacheFürst hatte ganz Ober- und den größten Thcil von Nieder-1741 österreich ohne Widerstand eingenommen, allein viel Zeit verlo-2. Oct. reu sich in Oberösterreich huldigen zu lassen, dazu überall äußerstdrückende Contributionen ausgeschrieben. Dann ging er, anstattwie ihm Friedrich wiederholt dringend gcrathen hatte, sichWiens, in dessen Nähe er stand, zu bemächtigen, vom fran-21. Oct. zösischen Gesandten Beauveau veranlasst'), über die Donau,und wendete sich gegen Böhmen. Er mochte fürchten, dieSachsen, welche eben gegen Böhmen vorrückten, oder auch Frie-drich, von dessen geheimen Vertrage mit Oesterreich der Kurfürstschon Nachricht erhalten hatte, möchten sich dieses ihm bestimm-ten Königreichs bemächtigen oder dieses ihm sonst entgehen.
Unterdessen zog Ncipperg über Ollmütz nach Znaim; anihn schlossen sich die aus Böhmen zurückweichenden Regi-menter, die Truppen aus Italien, das man für den Augen-blick aufgab und die Schaaren aus Ungarn. Maria The-resia konnte bald das Feld gegen ihre zahlreichen, doch nurzu uneinigen, auf einander eifersüchtigen und mistrauischenFeinde halten. Eine vom Kurfürsten von Baiern bei St.Pölten zurückgelassene Hecresabtheilung von 15,000 Franzosenunter Segur muffte sich bald nach Linz zurückziehen. Schonhoffte die Königin, 40,000 Mann unter Ncipperg würdenPrag retten, als das vorzugsweise durch Friedrich H. vereiteltwurde, der bald selbst, ihr völlig unerwartet, wieder zu denWaffen griff.
Schon wenige Tage nach dem Abschlüsse der Klein-Schncllendorfer Verabredung hatten die Oesterreicher, in derenInteresse das lag, ihren Inhalt unter der Hand bekannt ge-
I) Nach Ohlenschlager III. S. 98, weil Frankreich nicht habewollen Baiern zu mächtig werden lassen. Balori I. 125. Nicht wahr-scheinlich.