167
Einrichtung der Verwaltung.
ohne fremden Beistand als die Geldunterstützung Englands,
Hollands und Rußlands, vor den anrückenden Baiern undFranzosen, wie wir gesehen, mit ihrer Mutter und dem ge-lammten Hofe Wien verlassen müssen, von wo sich, wer irgendkonnte, jetzt flüchtete. Ich weiß nicht, schrieb sie ihrer Schwie-germutter, wo mir eine Stadt für mein Wochenbett bleibenwird. Sie ging nach Presburg. Schon vor einigen Monatenbei ihrer Krönung hatte sie die Gemüther der Ungarn durch ihrhuldreiches und doch entschlossenes Benehmen sehr gewonnen. 1741Zetzt sprach die junge, schöne und so jbedrängte Frau zull.Sept.den versammelten Ständen: sie setze, verlassen von ihrenBundesgenossen, ihr Vertrauen auf die von Alters her be-währte Treue und Tapferkeit der Ungarn, von ihnen alleinhoffe sie fest für sich, für ihre Kinder und ihre Krone Schutzund Beistand. Als sie dabei Thränen vergoß, riefen alleAnwesende, gerührt durch das Geschick der hohen Frau, hin-gerissen von Theilnahme, unwillig über ihre Feinde, vollritterlicher Begeisterung, der alte Palatin Palfy an derSpitze: Leben und Blut, Leben und Blut für die Königin!
Es wurde sogleich beschlossen, daß alle Edelleute persönlichaussitzen, das Reich aber 30,000 Mann Fußvolk, 15,000 Reiterund 20,000 Rekruten für das regelmäßige Heer stellen solle').
Wenige Tage darauf, als die Königin ihren Gemahl mit3l. Sept.Genehmigung der Stände zum Mitregenten annahm, unddieser ihr und dem Reiche Treue schwor, zeigte sie ihren sechs-monatlichen Sohn Joseph auf dem Arme seiner Amme derVersammlung, worauf Alle begeistert ausriefen: für die Kö-nigin und das Reich Leben und Blut!
Alle eilten, kräftig zu rüsten, und führten in kurzer Zeitausser den regelmäßigen Truppen eine große Anzahl Schaarenin das Feld, d«ren bisher unbekannte Tracht, Bewaffnungund Kampfweise allgemeines Schrecken erregte und die, wennsie gleich größtentheils nur selten im Stande waren, es im
l) Mailäth, Geschichte des österreichischen Kaiserthums V. S. 1laus dem Landtags-Diarium, in welchem allerdings nicht Alles zu stehenpflegt, was vorgeht, am wenigsten in der wahren Färbung. Doch sinddiese Vorgänge thatsächlich entstellt worden, was Mailäth berichtigt hat.
Die Sache bleibt dieselbe mit und ohne Schmuck.