Die Ungarn. Der Kurfürst von Baiern. 169
macht. Schon am 18. October wurde das dem Herzoge vonBraunschweig, am folgenden Tage dem Kurfürsten von Baiern,diesem von seiner Schwiegermutter, der Wittwe Kaiser Josephs!,mitgethcilt, selbst alle Einzelheiten, sogar die Scheinbelagerungvon Ncisse wurde bekannt, wovon man nicht einmal in dieserFestung selbst etwas wusste. Friedrich wenigstens hatte dasGeheimniß bewahrt. Der Kaiser sollte gesagt haben, wasman im Augenblicke aufopfere, werde man zu seiner Zeit schonwiedcrnehmen können').
Friedrich II. war höchst mistrauisch, weil er selbst Mis-trauen verdiente; er glaubte überzeugt sein zu können, daßihn der wiener Hof mit seinen Verbündeten entzweien wolle.Ucbrigens hatte er selbst nicht an die Geheimhaltung desVertrags geglaubt, er hatte sie vielleicht nicht einmal gewünscht.Es rächte sich dieses leichtsinnige Spiel mit dem, was dergemeine Mann Treu und Glauben heisst, nur zu sehr, indemdie hohe Frau, welche das traf, weit mehr als Frau, dennals Fürstin verletzt wurde und es nie vergaß.
Um möglichst sicher zu gehen, verlangte Friedrich vomwiener Hofe, sehr aufgebracht über die Nichtgeheimhaltungdes Schnellendorfer Vertrages, einen förmlichen Widerruf undeiligen vollständigen Friedensabschluß.
Dieser erfolgte nicht sofort. Er erfuhr dann, daß vonWien aus auch in Dresden Besorgnisse erregt worden waren,er werde in die Lausitz einbrechen. Friedrich konnte den Mi-nister Brühl nur durch die bestimmtesten Zusicherungen be-schwichtigen, hielt sich aber nun um so weniger zur Haltungdes Vertrages verpflichtet, als Maria Theresia durch denBeistand der Ungarn, durch die ihr überall günstige öffent-liche Meinung und durch die Ungeschicklichkeit und das Zö-gern ihrer Feinde neuen Muth gefasst hatte, und er besorgte,sie werde, wenn sie sich ihrer übrigen Gegner entledigt, auchihm entreissen, was er errungen. Er durste nicht zögern, seine
1) Ranke II. S. 375. Histoirs äs nwn tsmps cb. IV. p, 94.Me wenig ihm übrigens mit Recht Fleury traute, zeigt dessen Schreibenvom 4. October 1741 an Belle-Zsle: So lange wir Erfolg haben, wird ertreu bleiben, aber wenn die Sachen übel gehen, stehe ich für nichts undseine Cajolerien werden bald aufhören, kl»-»»» V. x. 157,