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Buch VII. Achtes Hauptstück.
voller Argwohn und besorgt, von Frankreich verlassen, nebendem sehr zweideutigen Kurfürsten von Sachsen und demschwachen Kurfürsten von Baiern allein auf dem Kampfplatzezu bleiben. Mit festem Blicke verfolgte er als Staatsmannfein Interesse, nicht nur für die Gegenwart, sondern auchfür die Zukunft. Als ihm daher von Lord Hyndford Nicdcr-schlesicn nebst dem angrenzenden Thcile Oberschlesiens mit derFestung Ncisse, wie er cs verlangt hatte, doch mit der Ver-pflichtung, Oesterreich gegen dessen Feinde beizustehen, an-gcboten wurde, antwortete er kurz — daß er dann neutralbleiben wolle. Er war so mistrauisch gegen Oesterreich, dieseswolle ihn nur täuschen und mit Frankreich entzweien, daß ersich durchaus nicht schriftlich, sondern nur mündlich erklärenwollte, um sich auf keine Weise zu binden, und entweder mitoder ohne Frankreich handeln, die Königin angreifen, oder inFrieden lassen zu können. Endlich wollte er auch hier dasPrävenire spielen und lieber selbst Oesterreich oder auch Frank-reich hintcrgehen, als sich hintergehen lassen.
Eine drohende Bewegung seines Heeres über die Neissegegen Neipperg beschleunigte den Entschluß der Königin,Friedrichs Forderungen endlich völlig nachzugeben. Nach mehr-tägigen Unterhandlungen, unter dem Vorwände der Aus-wechselung von Kriegsgefangenen, wurde zwischen beidenHeeren in Kleinschnellendorf in Anwesenheit des Königs, LordHyndfords, des österreichischen Generals Lentulus und desFcldmarschalls Neipperg sehr geheim mündlich vertragen odervielmehr verabredet, der König solle durch einen vor Ablaufdes Jahres abzuschließenden Vertrag mit voller SouverainetätNiederschlesien bis an die Neisse und auf dem rechten Oder-ufcr bis an die Grenze des Fürstenthums Oppeln, dazu jedochdie Festung Neisse erhalten, welche der Commandant nachvierzehntägiger Scheinbelagerung übergeben werde. Von da
wolle Spanien täuschen, um sich mit Oesterreich etwa gegen Vortheilein den Niederlanden auszusöhnen und dann Spanien wie im letzten Kriegezu verlassen. Die Königin von Spanien würde, um Parma und Pia-cenza für ihren Sohn zu erhalten, sich auch mit Maria Theresia ver-bunden haben, um sich an Frankreich zu rächen. Raumer S. 127.