Druckschrift 
4 (1851) Von 1739 bis 1756
Entstehung
Seite
120
Einzelbild herunterladen
 

12t)

Buch VIl. Sechstes Hauptstück.

den evangelischen Gemeinden, welche sie seit so vielen Jahrenhatten entbehren müssen und mit lebendigem Eifer darumbaten, überlassen wurde, so litt der König doch durchausnicht, daß die Katholiken in ihren Rechten beeinträchtigtwürden, und wies alle Anforderungen dazu ab. Er wollteGewissensfreiheit, die keiner Religionspartei vorenthalten, vonkeiner gestört werden sollte. Er wollte König aller seinerUntcrthanen sein').

Alle Angelegenheiten, welche den Unterhalt des Heeresbetrafen, waren dem General-Feldkriegscommissariate über-tragen, welchem die Geheimen Räthe Münchow und Reinhardvorstanden. Es sollte durch den Marsch der Truppen so vielals möglich Niemand unnöthigerweise in seinen Geschäftengestört, die öffentliche Ordnung überall aufrecht erhalten werden.Auf Verlangen des Feldkriegscommissariats war durch dieLandesältestcn der Fürstenthümer, in welche Preuffen einrückten,die regelmäßige Verpflegung des Heeres bewirkt und dadurchdem Lande die unvermeidliche Last wesentlich erleichtert worden.Weder Brandschatzungen noch Kontributionen wurden verlangtund das Land mit aller der Schonung behandelt, als wärees eine preussische Provinz.

Weil der König mit Zuversicht darauf rechnete, einengroßen Thcil Schlesiens für immer zu behalten, setzte er derFestung Glogau, deren baldige Uebergabe er durch bloße Ein-

I) S. über die Vorgänge in Rauschwitz bei Glogau seit 22. Ja-nuar 1741: 1H» VII. S. 52. Beilage 812. Hensels schlesischeKirchengeschichte S. 701. Gesammelte Nachrichten LH. II u. III. DieTexte, über welche die neuen Prediger predigten: V Mos. 20, 1012;Wenn du vor eine Stadt zeuchst, sie zu bestreiten, so soll du ihr denFrieden anbieten. Antwortet sie dir freundlich, so soll alles das Volk,das darinn funden wird, dir zinsbar und unterthan sein. Will sie abernicht friedlich mit dir handeln und will mit dir kriegen, so belagere sie;"und I Makkab. 15, 33 u. 34:Das Land, das wir wieder erobert haben,ist unser väterliches Erche und gehört sonst Niemanden. Unsere Feindeaber Habens eine Zeit lang mit Gewalt und Unrecht inne gehabt. Darumhaben wir jetzt das Unsere wieder zu uns bracht und Niemand das Seinegenommen." Das Kirchengebet hielten sie für den König als Landes-hcrrn, dessen Feldzug auf Erhaltung und Wohlfahrt des Reichs und dasBeste der bedrängten evangelischen Kirche abziele.