Rheinsberg. Anti-Macchiavell. 33
daß das Glück des Volkes das des Fürsten, und umgekehrtdas Glück des Fürsten das des Volkes ausmache. Die Stärkeder Staaten beruhe nicht auf der Ausdehnung wüster Länder-strecken, sondern auf dem Reichthume zahlreicher Einwohner.
Ausser durch Eroberung könne ein betriebsamer Fürstseine Macht durch die Thätigkeit vergrößern, vermittelst derener zuvörderst Handel und Gewerbe, dann Künste und Wis-senschaften befördere, nämlich Geometrie, Astronomie, Philo-sophie, Beredsamkeit, Dichtkunst und insgesammt, was manunter schönen Wissenschaften verstehe, wodurch die Unterthanenmächtiger und gebildeter würden. Das sicherste Zeichen einesdurch gute Regierung glücklichen und reichen Landes sei dieBlüthe der schönen Künste und Wissenschaften. Die Fürstenehrten die Menschheit, wenn sie diejenigen auszeichnetcn undbelohnten, die ihr am meisten Ehre machten. Man achte dieFürsten, allein man würde sie lieben, wenn sie weniger be-dacht wären, ihre Herrschaft auszudehnen, als aufmerksamdarauf, gut zu regieren.
Kein Gefühl sei unzertrennlicher vom Wesen der Men-schen als das der Freiheit. Der Gebildetste und der Rohstesei gleichmäßig davon durchdrungen. Dieser Geist der Unab-hängigkeit habe so viele große Männer hervorgebracht, Veran-lassung zur Gründung von Freistaaten gegeben und die Men-schen einander gleich gemacht.
Dann ergeht er sich mit dem bittersten Spotte über diekleinen Fürsten, welche überstolz auf ihre Wappen und Stamm-bäume die Rolle großer Herren spielten, ihre Schlösser zuFestungen machten, Soldaten von allen Truppengattungenhielten, welche höchstens zur Aufführung eines Stückes imTheater ausreichten, und sich durch Verschwendung zu Grunderichteten, indem jeder ein kleiner Ludwig XIV. sein wolle.Nicht minder sarkastisch spricht er von den damals zahlreichengeistlichen Fürsten, die als Nachfolger der Apostel die Stelleeitler Weltleute einnähmen, in Worten orthodox und demüthig,im Handeln leidenschaftlich wären. Nirgends finde man mehrBettler als in geistlichen Fürstenthümern, weil die Milde derBischöfe dem Volke das Nöthige entziehe, damit es das nichtmißbrauche.
Stenzel, Gesch. d. Preussisch. Staats. IV. 3