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Buch VH. Erstes Hauptstück.
verursachten, daß er die Theologen nicht leiden konnte, denener die Verketzerung Andersdenkender Schuld gab, deren schreck-liche Folgen er aus der Geschichte kennen gelernt hatte. „DiePriester," schrieb er an Voltaire 1736, „sind von den ältestenZeiten an immer Heuchler und Betrüger gewesen. Es scheintmir, daß die Theologen, welcher Nation oder Religion siesein mögen, von gleichem Schlage sind. Immer wollen siesich eine despotische Gewalt über die Gewissen anmaßen; dasmacht sie zu eifrigen Verfolgern aller derjenigen, welche eswagen, die Wahrheit zu sagen. Sie sind immer bereit, denBlitz des Anathems zu schleudern, um, wie sie sagen, daseingebildete Trugbild der Irrreligion, wirklich aber, um dieFeinde ihres Ehrgeizes und ihrer Wuth zu zerschmettern.Diese Diener eines Gottes des Friedens predigen mit einemHerzen voll Haß und Ehrgeiz Demuth, die sie nie geübthaben. Ihr mit ihrer Moral so wenig übereinstimmendesVerfahren kann ihre Lehre nur in Miscredit bringen. DieWahrheit bedarf weder der Waffen, sie zu vertheidigen, nochder Gewalt, um Menschen zu zwingen, an sie zu glauben-Sie braucht nur zu erscheinen, und wenn das Licht die Wolkenzerstreut hat, welche sie verbargen, so ist ihr Sieg gesichert.Ich weiß hinlänglich, daß Geistliche nur Fehler oder vielmehrLaster haben, um mich verpflichtet zu halten, denen Gerech-tigkeit widerfahren zu lassen, die es verdienen. Wie aberBoileau in seiner Satyre gegen die Frauen drei tugendhafteausnahm, so kenne ich in meines Vaters Staaten zwei Geist-liche, welche wahrheitsliebende Philosophen sind und wegenihrer Rechtschaffenheit und Offenherzigkeit nicht mit andernverwechselt zu werden verdienen. Dieses Zeugniß bin ich denHerren Beausvbre und Reinbcck schuldig." Der fast 80jäh-rige französische Prediger Beausobre, ein ehrwürdiger Greis,doch voll Feuers und Lebendigkeit, verstand die Gegenständeseiner Predigten so meisterhaft zu behandeln unv die erhabe-nen Wahrheiten des Chriftenthums so ergreifend vorzutragen,daß er den Prinzen dermaßen begeisterte, daß dieser ihn inseiner Wohnung aufsuchte, um näheren Umgang mit ihm zuhaben, daß er ihm sogar einige, wie er sagt, bei solchen Leutengewöhnliche Neigung zum Aberglauben zu gute hielt. Nach