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Nheinsberg. Geistliche.
Beausobre's Tode bezauberte den Prinzen der Prediger Quandtin Königsberg, daß er ihn für ein Muster der Kanzclberedt-samkeit und für den einzigen deutschen Redner in der Welthielt. „Da bin ich nun," schrieb er aus Königsberg imAugust 1739 an Voltaire, „in der Hauptstadt eines Landes,das mehr für Bären und Wölfe als zum Schauplatze derWissenschaften paßt. Die Einwohner sind kriechend und hoch-fahrend, doch ebenso schaal in ihrer Dcmuth, wie unerträglichin ihrer Insolenz. Hier sind die Künste nie gepflegt wordenund werden cs auch wahrscheinlich nie werden. Demungeach-tet habe ich am Sonntage einen Geistlichen predigen hören,der mich durch seine Beredsamkeit überrascht hat. Zch glaube,die gute Göttin hat sich in diese Gegend verirrt, um sich vordem Eise Kurlands zu retten, und wohnt auf der Zungedieses Priesters. Ich habe nie besseres Deutsch, schönemAusdruck, fließenöern und besser geordneten Styl gefunden.Dieser Quandt ist ohne Widerspruch der, welcher Armselig-keiten am würdigsten vorträgt."
Außerdem versäumte Friedrich selten die Gelegenheit, sichüber Geistliche lustig zu machen oder sie als Heuchler zu ver-spotten. Sehr selten und sicher nie aus Religiosität hat erin Kirchen dem Gottesdienste beigewohnt.
Wie er überall Wahrheit wollte und suchte, so forderteer sie auch für die Geschichte. „Die meisten Fürsten," schrieber im Januar 1739 an Voltaire, „haben eine besondere Lei-denschaft für ihre Stammbäume, eine Art Eigenliebe, welchebis zu den entferntesten Vorfahren hinaufsteigt und sie fürdas Ansehen ihrer Verwandten nicht nur in gerader, sondernauch in den Seitenlinien einnimmt. Sagen, daß unter denVorfahren auch nicht besonders Tugendhafte, also Verächt-liche waren, heißt die Lebenden auf unverzeihliche Weise be-leidigen. Wehe dem profanen Geschichtschreiber, der es wagt,in das Heiligthum ihrer Geschichte einzutreten und Schmach-volles von ihrem Hause zu verbreiten. Es wäre verzeihlich,wenn das nur auf väterliche oder mütterliche Vorfahren ginge,allein verlangen, daß fünfzig bis sechszig Ahnen immer ehren-werthe Leute gewesen, heisst, einer einzelnen Familie die Tu-gend zueignen und dem menschlichen Geschlechts großes Unrecht