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Rheinsberg. Tonkunst, Dichtkunst.
schwerte, legte er die ihm so liebe Flöte weg und sagte zumConcertmcister Benda: „Ich habe meinen besten Freund ver-loren')." Er componirte selbst mit Erfolg. Gesang undTanz wurden mit der Oper und dem Schauspiel wieder ein-heimisch in Berlin. Zn Rheinsberg führte er mit seinenFreunden den Ocdip des Voltaire auf und übernahm selbstdie Rolle des Philoctet.
Nächst der Musik liebte er die Dichtkunst. Er las nichtnur unausgesetzt die vorzüglichsten Werke der großen franzö-sischen Dichter, besonders Voltaires, sondern dichtete auch inseiner Jugend bis zum spätesten Alter trotz aller vielfachenStaatsgeschästc und mitten unter den dringendsten Sorgenund in den gefährlichsten Lagen des Krieges eine große An-zahl von Episteln, Oden, Fabeln, Prologen zu Komödien undTexte zu Opern?) Viele seiner Briefe sind als Erguß augen-blicklicher Laune oder Empfindung mit Versen untermischt,die er mit großer Leichtigkeit verfertigte. „Es ist eine Erho-lung für mich, Verse zu machen," schrieb er an Voltaire.„Ich bin ein an das Staatsschiff geschmiedeter Galeerensklave,ein Steuermann, der das Ruder nicht wieder zu verlassen,noch einzuschlafen wagt, ohne das Schicksal des Palinuruszu fürchten. Die Musen verlangen Seelenruhe, die ich fastnie genießen kann. Oft wenn ich drei Verse gemacht habe,werde ich unterbrochen."
Er beurtheilte übrigens seine Leistungen streng genug.„Ich habe das Unglück, die Verse zu lieben und dann oftsehr schlechte zu machen," schrieb er an Voltaire. „Ich liebedie Dichtkunst leidenschaftlich und habe als ihr Freund vieleHindernisse zu überwinden. Mir fehlt lebendige Einbildungs-kraft und alles Gute ist schon vor mir gesagt worden. Esgeht mir wie den Weinstöcken, die immer an den Nachwehendes Bodens leiden, auf dem sie stehen. Der von Rheinsbergscheint mir geeignet, allein der von Berlin bringt höchstens
1) Rödenbecks Beiträge I. 455 und II. 372.
2) Die Oeuvres poötigues äs leräääris II. füllen Band IO—12der neuen Ausgabe seiner Werke. Vieles ist sicher noch ungedruckt, Man-ches verloren.