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Rheinsberg. Briefwechsel.
kenntniß zu erwerben, die Wahrheit zu lieben, Verfolgungund Aberglauben zu hassen. Damit allein kann ein Fürstdas goldene Zeitalter in seine Staaten zurückbringen. Warumstreben so wenige Könige darnach? Sie fühlen es, weil siealle mehr an ihr Königthum als an die Menschheit denken.Sie thun das Gegentheil. Sein Sie versichert, wenn dereinstdas Gewicht der Geschäfte und die Schlechtigkeit der Menscheneinen so göttlichen Charakter nicht verdirbt, so werden Sievon Ihren Völkern angebetet, von der Welt geliebt werden."Dann erinnert er den Prinzen, sich in seinen Bestrebungennicht durch Menschen und deren Schwächen irren zu lassen.Er macht ihn aufmerksam, daß die Gelehrten, die Pest derSchulen, im Allgemeinen nicht besser wären als Hofleute, diePest der Höfe, vielmehr nur lächerlicher, was doch Niemandendie Wissenschaften verleiden dürfe. Die Geistlichen seien zu-weilen am gefährlichsten durch Stolz, Galle und Geistlosig-keit. Diese angeblichen Lehrer, wirklich aber Feinde desmenschlichen Geschlechts, müsse man sich selbst überlassen. Erdrückt seine hohe Achtung vor eigentlichen großen Philosophenaus, meint jedoch, man könne die ersten Gründe der Dingenie genau kennen lernen. Verse, welche die Menschen nichtmit neuen ergreifenden Wahrheiten bekannt machten, verdien-ten nicht gelesen zu werden. Er versprach, dem Prinzen seineWerke zu schicken, und drückte lebhaft den Wunsch aus, ihnpersönlich kennen zu lernen. „Sie denken ohne Zweifel wieJulian," fährt er fort, „der so verläumdete große Mann,welcher sagt, man müsse Freunde den Königen vorziehen. Ichwünsche nichts mehr, als daß Sie immer sich ähnlich bleibenund andere Könige Ihnen."
So wurde ein Briefwechsel eröffnet, der auf Friedrichsgeistige Entwickelung in tausend Beziehungen unendlich ein-flußreich und von solchem Umfange war, daß er während derdrei ersten Jahre einen starken Druckband füllte, auch dannunterbrochen durch vorübergehende Mishelligkeiten, welche wirspäter kurz berühren werden, über vierzig Jahre hindurch, bisan Voltaires Tod dauerte. Gegenstände der verschiedenstenArt, Poesie, Literatur, Geschichte, Philosophie, die abstractestenDinge, als Theilbarkeit und Untheilbarkeit der Substanz, Ver-