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Buch VII. Erstes Hauptstück.
Ihren Briefwechsel so, denn ich glaube, daß in der WeltNiemand ist, dessen Lehrer Sie nicht sein können." Danndrückt er aus, wie sehr und warum ihn des Dichters Werke,die Henriade und die Trauerspiele, entzückt hätten, bittetdringend, ihm alle neuern Werke mitzutheilen, und verspricht,sie wenn es nöthig sei, geheim zu halten. Er wisse zwar,daß das Wort eines Fürsten jetzt nicht sehr geachtet werde,allein zu seinen Gunsten möge Voltaire eine Ausnahmemachen. „Ihre Dichtungen erwerben die Achtung und Be-wunderung aller Ehrenmänner, sie lehren denken und han-deln, zeigen die Tugend im schönsten Lichte, den wahrenRuhm, und flößen auf die feinste Weise Geschmack für Wis-senschaften ein, daß Jeder, der Ihre Werke liest, vom edlemWetteifer ergriffen wird, Ihren Schritten zu folgen. Wieoft habe ich mir nicht gesagt: Unglücklicher, es übersteigt deineKräfte. Man kann Voltaire nicht nachahmen, ohne selbstVoltaire zu sein. In solchen Augenblicken habe ich gefühlt,daß die Vorzüge der Geburt geringen oder keinen Werthhaben, das ist äußerlicher, unserm Wesen fremder Schmuck.Um wie viel vorzüglicher sind nicht Talent und Geist. DieNatur gefällt sich, Menschen mit allen Fähigkeiten auszu-rüsten, um Künste und Wissenschaften zu fördern. Die Fürstensollten ihre Anstrengungen belohnen. Warum trägt nicht mirder Ruhm auf, Ihre Erfolge zu krönen? Ich würde nichtsfürchten, als daß dieses an Lorbeeren wenig fruchtbare Landnicht so viel liefern könnte als Ihre Werke verdienen. Wennmein Geschick mich nicht genug begünstigt, Sie besitzen zukönnen, so dars ich doch hoffen, den einst zu sehen, den ichseit langer Zeit bewundere." Voltaire antwortete auf aus-gesucht feine Weise: „Meine Eigenliebe fühlt sich unendlichdurch Ihr Schreiben geschmeichelt, allein die Liebe zum mensch-lichen Geschlecht, welche ich immer im Herzen trage und diemein Wesen ausmacht, hat mir ein tausendfach reineres Ver-gnügen verschafft, indem ich einen Prinzen in der Welt sehe,der wie ein Mensch denkt, einen philosophischen Prinzen, derdie Welt glücklich machen wird. Glauben Sie mir, daß eskeine wahrhaft guten Könige gegeben hat als die, welchewie Sie damit angefangen haben sich zu unterrichten, Menschen-