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Frankreich und England in den Leiden nächsten Jahrhunderten
ein Gebiet, dessen Begebenheiten nur darum weltgeschichtlicher Natursind, weil durch sie zwei Völker sich zu einer lebhaften Betheiligung andem Gange der die allgemeinen Menschengeschicke bestimmenden Ereignissevorbereiten. Am Anfänge des Zeitraumes scheinbar an der Zeit ange-langt, wo die Regellosigkeit des Lehensstaates einer neuen Ordnungweicht, erfahren beide Völker bedeutende Verzögerungen auf dem Wegezu dem Ziele. Diese Verzögerungen rühren theils von erneuertemKampfe zwischen beiden her, theils von inneren Kämpfen, die ein jedesvon ihnen zu bestehen hat, weil die Gewalten sich noch nicht in einGleichgewicht gegen einander gesetzt haben. In den Ereignissen derschweren Zeiten, welche beide Völker zu durchleben haben, verräth sichwieder der Mangel an einer großen von dem Mittelpunkte der Christen-heit ausgehenden, die Zustände und das Thun der Fürsten und Völkerbeobachtenden und leitenden Staatskunst, wie sie von den Päpsten desvorigen Zeitraums geübt wurde. Dieser Mangel, dem bei Fürsten undVölkern eine Abnahme der Empfänglichkeit für leitenden Einfluß ent-spricht, läßt den Kampf der Völker gegen einander und den Bürgerkriegin jedem einzelnen Volke mit Heftigkeit toben, ohne daß der Versuch,Einhalt zu thun, gemacht wird. Diese Kämpfe bilden Ergebnissesowie Beförderungsmittel jener auch in den Kreisen anderer Staatenhervortretenden Selbstsucht, die sich innerhalb eines Staates in List undGrausamkeit offenbart, ganze Staaten aber zu einer den Vortheil ohneRücksicht auf Recht berechnenden Kunst führt. Das Nitterthum ver-mochte den Strom sittlichen Verderbens nicht zu dämmen, da es selbstdie religiöse Grundlage, auf welcher es einst zum Kampfe für die Reli-gion fähig gewesen war, verloren hatte und Satzungen und Regeln,Wie einst die Gesinnung sie hervorgetrieben, nur noch als leblose Formelnaufbewahrte, übrigens aber auch seinerseits dem auf Gewalt und Genußzielenden Weltverftande erlegen war. Die Ritterschaft aber, die derTräger dieses entarteten Ritterthums war, ging in dieser Zeit aufrei-bender Kämpfe zu Grunde, so daß gerade die Leiden, welche in dieserZeit über die Völker kamen, ein Mittel zur Vernichtung des einst soschwer auf ihnen lastenden Lehenwesens bildeten. Dem Bruche desLehenwesens hatten sich Frankreich und England auf verschiedene Weisegenähert, das erstere durch Erhöhung der einst durch das Lehenwesen be-schränkten und fast mit dem Untergange bedrohten, das letztere durchBeschränkung der an der Spitze des Lehenwesenö stehenden königlichenMacht. Die hierdurch begründete Verschiedenheit im inneren Zustandebeider Länder war auch von entscheidendem Einflüsse «uf den Gang ihresStreites. In England mußte der König denselben zur Sache des Volkesmachen, in Frankreich führte ihn der König mit dem Adel, der nachVernichtung seiner Selbstständigkeit im Anschlüsse an ihn die Gelegenheit