318 Das römisch-deutsche Reich im Zeitalter der Kreuzzügc.
zu behaupten und dieses aufstrebende Geschlecht in möglichst engeSchranken zurückzudrängen. Zunächst diente ihm hierzu die Begünstigungder Zähringer und der Welfen. In einem Theile Burgunds, im Jurabis an die Saone hin gelegen, machte sich nach Heinrichs Tode GrafReinold unabhängig, weil er mit dem Erlöschen des salischen Geschlechtesauch die deutsche Herrschaft in Burgund erloschen glaubte. Lotharsprach ihm sein Land ab, belehnte den Herzog Konrad von Zähringen ^damit und beauftragte denselben mit der Eroberung. Ueberwunden !behielt Neinold seine Grafschaft dennoch, und Konrad bekam die Ver-waltung alles östlich vom Jura gelegenen burgundischen Landes, das inder Folge Kleinburgund genannt wurde. Die Welfen verband sichLothar dadurch, daß er seine Tochter Gertrud an Heinrichs des Schwar-zen Sohn, Heinrich den Stolzen, vermählte und diesem als dem Herzoge !von Baiern auch das Herzogthum Sachsen verlieh, so daß er für künf- !tige Größe der Welfen gleichen Grund gelegt zu haben schien, wie esdie Salier für die der Hohenstaufen gethan hatten. Nun ward derKrieg gegen die Hohenstaufen betrieben, deren Haupt Friedrich schongleich nach Lothars Wahl für einen Reichsfeind erklärt oder geächtetworden war, weil er Besitzungen nicht herausgeben wollte, die er alsTheile des ihm zustehenden Erbes des salischen Geschlechtes betrachtete,die aber Lothar als Neichsgut in Anspruch nahm. Dieser Kampf ver-breitete sich über Deutschland und Italien. Der Hohenstaufe Konradhatte seine Stellung in Franken, wo die von ihm ausgeübten herzog-lichen Rechte an den früher schon damit bekleideten Bischof von Würz-burg zurückgegeben wurden, verloren und hatte die Statthalterschaft inTuscien erhalten. Hier erwarb er ein Anschn, das ihm den Versuchmöglich machte, als König von Italien aufzutreten, und Mailand, dassich mächtig erhoben hatte, nahm ihn auf. Doch dafür entfremdeten sichihm die von dem überlegenen Mailand beeinträchtigten übrigen Städtevon Oberitalien und er wurde allmälig ganz machtlos. In Deutschlandselbst gewann Lothar eine neue Stütze im Jahre 1130 durch die Erhebung ^eines thüringischen Grafen Ludwig zum Landgrafen von Thüringen,wodurch der Uebergänz der alten gräflichen Amtsgewalt in eine nichtnach der alten Gaueintheilung beschränkte landesherrliche Gewalt unddie Lösung Thüringens von der Unterordnung unter den Herzog ausge-sprochen war. Ehe in Deutschland der Kampf zur Entscheidung gebrachtwar, wurde Lothars Aufmerksamkeit anderswohin gelenkt. Nach demTode von Calirtuö' Nachfolger Honorius II. im Jahre 1130 war einezwiespältige Papstwahl erfolgt und durch die Bemühungen des heiligenBernhard fand Jnnocenz II. überall Anerkennung, während sein GegnerAnakletus II. bloß Rom und den Normannenfürsten Roger II. für sichhatte. Das Schisma zu beseitigen kam Jnnocenz im Jahre 1131 über